Wie gefährlich ist jodhaltiges nichtionisches Röntgenkontrastmittel ?

In der Röntgenabteilung des Brüderkrankenhauses werden ausschließlich moderne, niederosmolare, nichtionische Kontrastmittel eingesetzt. Im Vergleich zu ionischen Kontrastmitteln ist in das Kontrastmittelrisiko bei nichtionischen Kontrastmitteln etwa um einen Faktor 8-10 geringer. Die Art der Kontrastmittelrisiken bleibt unverändert, geringer wird nur die Häufigkeit.


Risikofaktoren bei jodierten Röntgenkontrastmitteln:

  • Art des Kontrastmittels (ionisch >> nichtionisch)
  • Frühere Röntgenkontrastmittel (RKM)-Reaktionen, Allergie, Asthma
  • Multimorbidität
  • Alter > 60 Jahre
  • Niereninsuffizienz: Kreatinin > 1,5 mg/100 ml
  • Dehydratation
  • Stoffwechselkrankheiten: Diabetes mellitus, Hyperthyreose
  • Paraproteinurie

Erhöhung des Risikos durch Vorerkrankungen/Begleiterkrankungen


Risikoart 

      Risikoerhöhung

Frühere RKM-Nebenwirkungen

4 - 10 fach

Asthma bronchiale

4 - 9 fach

Coronarerkrankung

3 - 7 fach

Allergie

2- 5 fach

Niereninsuffizienz

2- 5 fach

Diabetes mellitus

 2- 4 fach

Ekzem

 2 fach

Alter > 60 Jahre

 2 fach


Anaphylaktoide - Allergische Nebenwirkungen der RKM


1. Leichte Allgemeinreaktionen:
- Übelkeit, Erbrechen
- Hitzegefühl
- Urticaria (Hautrötung)


2. Mittelschwere Reaktionen:
- Starkes Erbrechen, Oberbauchschmerzen
- Starke Kopfschmerzen
- Ausgedehnte Urticaria
- "Schüttelfrost"
- vorübergehender Blutdruckabfall


3. Schwere Reaktionen:
Störung der Vitalfunktionen des
- kardiovasculären Systems
- respiratorischen Systems
- zentralen Nervensystems


4. Tod
Häufigkeit der Nebenwirkungen bei nichtionischen niederosmolaren Kontrastmitteln 
 

Leichte Reaktionen

 1 : 30

 bis 1 : 600
Schwere Reaktionen   

 1 : 1.700

 bis 1 : 10 000
Tod

 1 : 170 000 

 bis 1 : 2.000.000


Zeitliches Auftreten von RKM - Nebenwirkungen
 
Innerhalb der ersten 15 Minuten        29 %
Zwischen 25 Minuten und 72 Stunden     71 %

  • Spätreaktionen (Exanthem, Oedem, Purpura, Schleimhautschwellung) erst nach wenigen Tagen möglich ! 

Kontrastmittelbedingte Nebenwirkungen an der Niere


Risikofaktoren :

  • Niereninsuffizienz mit Serum-Kreatininwerten > 1,5 mg/100 ml
  • Insulinpflichtiger, länger bestehender Diabetes mellitus
  • Kombination von Diabetes und Niereninsuffizienz
  • Kardiale Insuffizienz
  • Dehydratation
  • Paraproteinurie (Plasmozytom)


Bei nierengesunden ambulanten Patienten wird in 0,6 %, bei hospitalisierten nierengesunden in 4 % eine KM-induzierte Nierenfunktionsstörung ausgelöst.
Bei diabetischer Nephropathie wird in 70 %, bei vorbestehender Nierenerkrankung in 22 % eine akute Niereninsuffizienz ausgelöst. Das Maximum der eingeschränkten Nierenfunktion wird nach 4 -7 Tagen erreicht (Kreatinin), gefolgt von einer langsamen Reparationsphase über 1-4 Wochen mit Abfall des Serumkreatinins.

Die Nierenschädigung ist eine dosisabhängige Nebenwirkung !

Maximaldosis = 5 ml / kg KG / Serumkreatinin (mg/100 ml)
Plasmozytom Bei normaler Dosierung eines nichtionischen niederosmolaren Röntgenkontrastmittels und nicht eingeschränkter Nierenfunktion, fehlender Bence Jones - Proteinurie und ausreichender Hydratation ist keine Risikoerhöhung zu erwarten. Bei Paraproteinurie reichliche Hydratation !!!


Einfluß auf die Schilddrüsenfunktion


Geringe Mengen freies Jodid können eine Hyperthyreose oder eine thyreotoxische Krise auslösen.

Das allgemeine Risiko einer thyreotoxischen Krise beträgt 1 : 50 000


Risikofaktoren:

  • Knotenstruma
  • Hyperthyreose
  • Suspekte Anamnese

Bei der Knotenstruma besteht die Gefahr der Dekompensation eines autonomen Adenoms oder einer diffusen Autonomie; die Gefahr der Entstehung einer schweren Hyperthyreose ist insgesamt allerdings geringer als bei einem Morbus Basedow.

In den o.g. Fällen sollte zunächst nur eine Nativröntgenuntersuchung durchgeführt werden bis zum Vorliegen der Ergebnisse der Schilddrüsenfunktionsdiagnostik. Nach der Gabe von jodierten KM ist die Schilddrüse für Wochen bis Monate sowohl für die Schilddrüsendiagnostik als auch für eine evtl. erforderliche Radiojodtherapie blockiert.


Prophylaktische Blockierung
(falls in Ausnahmefällen trotz vorhandener Risikofaktoren eine Untersuchung mit jodhaltigem RKM unumgänglich ist):

  • Perchlorat (Irenat) 2- 3 g täglich unmittelbar vor bis 2-3 Wochen nach KM-Gaben
  • Carbimazol oder Thiamazol (Favistan)

Praemedikation bei Risikopatienten

  • Ausreichende Hydrierung
  • Ggf. Blockierung der Schilddrüse
  • Antihistaminika (H1- und H2-Rezeptorblocker) mindestens 10 min vor der KM-Gabe. Die Prophylaxe mit H1 und H2-Blockern führt bei Risikopatienten (Allergieanamnese, Herz-Lungen-Erkrankungen) zu einer deutlichen Verminderung der Häufigkeit der Nebenwirkungen.
  • Kortikosteroide: Dexamethason (Fortecortin) 8-12 mg 12 Stunden und 2 Stunden vor KM-Gabe oral (ggf. 30 min vorher i.v.)
  • Evt. Midazolam (Dormicum) 1-5 mg i.v. (zentralnervöse Dämpfung, Reduzierung der Bereitschaft zu KM-Nebenwirkungen).


Bei der Überweisung zur Kontrastmitteluntersuchung in die Radiologie muß unbedingt auf Risikofaktoren (z,B. Allergie, Einschränkung der Nierenfunktion, Hyperthyreose ) hingewiesen werden !!!