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Strategieaspekte

Strategie "Pflege 2020"

Herausforderungen professioneller Pflege

Die Pflege schreitet auf dem Weg der Professionalisierung erfolgreich und selbstbewusst voran. Sie unterliegt dabei ständigen Weiterentwicklungen der Pflege- und Gesundheitswissenschaften wie aber auch gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Um weiterhin, in Orientierung an unserem Pflegeleitbild, qualitativ hochwertig und nach den Grundwerten des christlichen Menschenbildes zu pflegen, setzen wir uns strategisch mit folgenden Herausforderungen der professionellen Pflege auseinander:

  • Zunehmend ältere, multimorbide Patientinnen mit komplexen und hochkomplexen Pflegesituationen
  • Zunehmende Verweildauerkürzung mit einhergehender Arbeitsverdichtung
  • Zunehmender Fachkräftemangel mit einhergehender Verantwortungszunahme sowie Belastungszunahme
  • Rasante Wissensentwicklung und zunehmende Informationsflut in der Pflege
  • Veränderung der Pflegeausbildung und voranschreitende Akademisierung der Pflege
  • Prozessorientierte Zusammenarbeit im interdisziplinären Team
  • „Sprachlosigkeit“ in der Beschreibung der eigenen Arbeit
  • Work Life Balance im Pflegeberuf
  • Anpassungsbedarf der Pflegemanagementstrukturen
  • Gesetzliche Veränderungen in der Pflege
  • Sicherstellung von Pflegequalität
  • Zunehmendes Interesse und Sensibilität der Öffentlichkeit

Mit zehn definierten Strategieaspekten möchten wir im Laufe der nächsten Jahre diesen Herausforderungen zielgerichtet und strategisch begegnen, um negative Auswirkungen abzumildern oder sie gar zu verhindern und von den positiven Auswirkungen bestmöglich profitieren.

 

Strategie "Pflege 2020"

Organisation von professionellen Pflegetätigkeiten

Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen und die zunehmend komplexeren Pflegesituationen führen zu einer Verdichtung der zu leistenden Arbeit auf den Stationen und Funktionseinheiten. Um weiterhin eine qualitative pflegerische Versorgung von Patienten sicherzustellen, gilt es die Pflegeorganisation weiterzuentwickeln und den adäquaten Versorgungsbedarfen anzupassen. Dabei soll die professionelle Pflege durch Patientenorientierung bestimmt sein, um sowohl dem objektiven Pflegedarf wie auch den individuellen Pflegebedürfnissen der Patienten zu begegnen.

Digitalisierung der Patientendokumentation

Eine wesentliche Voraussetzung zur Optimierung der interprofessionellen Kommunikation stellt die Digitalisierung der Patientenakte dar. Diese Digitalisierung ist auch eine wichtige Voraussetzung zur Etablierung neuer und umfasssender Pflegedokumentationssysteme. Der Vorteil besteht letztlich darin, dass die Patientendokumentation an vielen relevanten Stellen gleichzeitig zur Verfügung stehen kann. So können pflegerische Konsildienste (z.B. Demenzfachkraft, Wundmanager) sich schon vorab umfassend anhand der digitalen Dokumentation über den Patientenzustand informieren und entsprechende Vorgehensweisen planen. Weiterhin stellt die Digitalisierung eine wichtige Voraussetzung für die Etablierung eines Pflegeprozesssystems dar. Die Digitalisierung der Patientenakte dient darüber hinaus auch für die Ableitung von Daten zur Überprüfung der patientenindividuellen und der krankenhausweiten Qualitätsziele.

Analyse und Darstellung von (Kern-) Aufgaben in der Pflege

Es gibt in Deutschland vielfältige Auslegungen, wie Pflege definiert ist und wie sich pflegerische Aufgabengebiete kennzeichnen. Vor diesem Hintergrund und dem zukünftigen Trend zum Qualifikationsmix in jeglichen Pflegesettings erscheint eine eindeutige Abgrenzung professioneller Pflegeaufgaben von übertragbaren Aufgaben umso schwieriger - aber notwendig für die qualitative Versorgung von Pflegebedürftigen. Um in unserem Krankenhaus eine einheitliche Sichtweise über die originären wie auch professionellen Pflegeaufgaben zu erhalten, ist eine Analyse und Definition von Kern- und Poolaufgaben in der Pflege notwendig. Diese jeweiligen Aufgabenkomplexe gilt es in Zukunft unter Einbezug von Patientenbedarfen festzulegen. Dabei soll kritisch beleuchtet werden, welche Aufgaben durch strukturelle Unterstützung effizienter gestaltet werden können.

Wertschätzung und Anerkennung

Wertschätzung und Anerkennung sind wichtige Merkmale in der täglichen Zusammenarbeit und signalisieren dem Gegenüber die Wahrnehmung seiner Person und die Wahrnehmung der persönlichen Leistung. Ein höflicher und respektvoller Umgang aller Beteiligten bildet die Grundlage der Unternehmenskultur und ist in unseren Grundsätzen und Leitlinien verankert. Eine gelebte Wertschätzungskultur beinhaltet die gegenseitige und konstruktive Rückmeldung in einem vertrauensvollen Umfeld sowie die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im individuellen Arbeitsfeld und ein Umdenken im Umgang mit Fehlern. Das gemeinsame Lernen aus Fehlern und eine konstruktive Fehlerkultur stellen daher eine wichtige Maßnahme zur persönlichen Weiterentwicklung sowie zur Patientensicherheit dar. Darüber hinaus kann durch die Reflexion von realen Fallsituationen ein stetiger Wissenszuwachs bezüglich vielfältiger Fachthemen erreicht werden. Wertschätzung und Anerkennung gewinnen durch Vorbildfunktion an Bedeutung, spürbar erleben wir dann die Einhaltung unserer Werte und einem respektvollen und vertrauensvollen Umgang miteinander.

Prozessmanagement – Förderung der berufsgruppeninternen und berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit

Eine professionelle und ganzheitliche Versorgung von Patienten im Krankenhaus erfordert eine berufsübergreifende Kooperation. Darüber hinaus unterstreicht die zunehmende Komplexität der Patientenversorgung sowie die Sicherstellung der Versorgungskontinuität die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Eine rasche Entscheidungsfindung im Versorgungsprozess kann durch ein therapeutisches Team, welches sich regelmäßig und zielgerichtet über die Patienten austauscht, positiv beeinflusst werden. Die Verzahnung von Arbeitsprozessen sowie die Transparenz über eindeutige Zuständigkeiten und Verantwortungen im multidisziplinären Team unterstützt die Effektivität und Effizienz der Versorgung. Vor diesem Hintergrund ist der Ausbau einer bezugsorientierten Pflege erstrebenswert, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

Personal- und Bildungsentwicklung zur Fachkräftesicherung: Ausbildung

Die generalistische Ausbildung in der Pflege wird höchstwahrscheinlich zum 1. Januar 2019 verbindlich. Das Zusammenführen der drei bisher getrennten Ausbildungen ist eine notwendige und zeitgemäße Maßnahme, um dem steigenden Versorgungsanspruch in allen Pflegesettings zu begegnen und eine berufliche Mobilität innerhalb der Europäischen Union zu ermöglichen. Die pflegewissenschaftliche Entwicklung erfordert zunehmend akademisch qualifizierte Pflegende, die wissenschaftliche Erkenntnisse im praktischen Pflegegeschehen einbringen und somit eine qualitative Patientenversorgung nach dem `State of the Art` ermöglichen. Beide Bildungsinitiativen sind für die Profession Pflege chancenreich, lassen auf eine Auffrischung der Berufsattraktivität hoffen und dienen somit implizit der Fachkräftesicherung. Die Initiativen erfordern auch eine Veränderung und Anpassung der bestehenden Ausbildungsstrukturen in unserem Krankenhaus.

Personal- und Bildungsentwicklung zur Fachkräftesicherung: Fort- und Weiterbildung

Pflegesituationen werden unter anderem aufgrund multimorbider Patienten, der kürzeren Krankenhausverweildauer sowie zunehmend fachinformierten Patienten und Bezugspersonen komplexer. Um diesen komplexen und anspruchsvollen Pflegesituationen mit einer hohen Pflegequalität zu begegnen, sollten Pflegepersonen über schnell abrufbares, aktuelles und spezifisches Fachwissen verfügen. Das Wissen, welches man sich in der Berufsausbildung angeeignet hat, ist möglicherweise nicht mehr aktuell bzw. aufgrund der kurzen Halbwertszeit bereits überholt. Aufgrund einer Vielzahl von Karrieremöglichkeiten in der Pflege bringen Mitarbeitende zum Teil auch unterschiedliche Wissenshintergründe mit. Weiterhin liefert die Pflegewissenschaft, wie auch die Medizin, stetig neues Wissen, welches es im Rahmen einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung anzuwenden gilt. Wir möchten dieser Herausforderung mit dem Ausbau und der Anpassung eines breit gefächerten Angebots von hochwertigen und spezialisierten Fort- und Weiterbildungen begegnen, sowie Möglichkeiten und Hilfe zur Pflegekarriere bieten.

Personal- und Bildungsentwicklung zur Fachkräftesicherung: Lebenslanges Lernen in der Pflege und für die Pflege

Die Pflegewissenschaft liefert uns unter anderem über Zeitschriften oder Newsletter stetig neue Erkenntnisse über eine qualitative und wirkungsvolle Pflege. Pflegeverbände oder die erste deutsche Pflegekammer informiert regelmäßig über berufspolitische Neuerungen. Weiterhin bekommt man über beruflichen oder privaten Austausch Informationen aus anderen Pflegesettings, die nach anderen Pflegestandards pflegen usw. Diese Flut an Informationen, Neuigkeiten, potenziellen Gefahren oder zukünftigen Konsequenzen ist wichtig und gewinnbringend für eine Pflege, die sich weiterentwickeln will. Neben der persönlichen Weiterentwicklung dient sie der Weiterentwicklung des eigenen Fachwissens und liefert somit einen höchst relevanten Beitrag für reflektiertes und selbstsicheres Pflegehandeln. Sie kann jedoch auch Stress oder Unsicherheiten hervorrufen, wenn sie unsystematisch oder zu falschen Momenten über einen hereinbricht oder nicht relevant in der derzeitigen Situation erscheint. Um die chancenreichen Informationen auch als tatsächliche Chance zu nutzen, ist ein systematischer und strukturierter Umgang mit der Wissens- und Informationsentwicklung in der Pflege in unserem Krankenhaus sehr wichtig.

Weiterentwicklung der Führungsstruktur

Die Führung eines Pflegeteams findet grundsätzlich in Managementsystemen statt und trägt unter anderem maßgeblich zum Erfolg oder Misserfolg eines qualitativ hochwertigen Arbeitsprozesses, der Teamentwicklung und der individuellen Personalentwicklung der Mitarbeiter bei. Die Managementsysteme müssen dabei optimal auf die jeweilige Organisation angepasst sein. Die Kombination des demografischen Wandels mit den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen stellt die Führungskräfte zudem vor zahlreiche Herausforderungen. Aus diesem Grund ist eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur notwendig, um die Synergieeffekte innerhalb des Managements zu nutzen und dem mittleren Pflegemanagement eine erhöhte Entscheidungsverantwortung sowie eine erhöhte Verantwortlichkeit zuzusprechen.

Einflussnahme und Berücksichtigung von Rahmenbedingungen

Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher sowie politischer Herausforderungen haben die Leistungserbringer im deutschen Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren viele Veränderungen vorgenommen und es stehen bereits weitere Veränderungen für die nächsten Jahre an. Weiterhin sind die Krankhäuser zur Qualitätssicherung und Qualitätstransparenz auch sich selbst gegenüber verpflichtet. Um als Unternehmen attraktiv und anschlussfähig zu bleiben, ist eine Berücksichtigung von Rahmenbedingungen unerlässlich. Es gilt aber genauso, über eine starke Stimme auf Rahmenbedingungen Einfluss zu nehmen, um den Berufsstand Pflege proaktiv voranzubringen.

Analyse innerklinischer und außerklinischer Versorgungsstrukturen

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier steht für eine leistungsstarke und regionale Vernetzung. Zukünftig wird die Vernetzung mit internen sowie externen Anbietern weiter qualitativ ausgebaut. Eine Analyse der bestehenden pflegerischen Versorgungsstrukturen ist dafür notwendig. Durch den Aufbau alternativer pflegerischer Versorgungskonzepte kann die Marktposition gestärkt werden und den Pflegebedarfen der Gesellschaft professionell begegnet werden.

 
 
 
 
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