Die Corona-Pandemie hat uns fest im Griff. Doch was ist mit allen anderen Erkrankungen? Werden Herzinfarkte noch genauso gut behandelt? Was ist bei einem Schlaganfall? Der ärztliche Direktor des Brüderkrankenhaus Trier gibt Entwarnung: Natürlich ist auch in diesen Fällen die Versorgung sichergestellt.
Prof. Dr. med. Winfried A. Willinek, Ärztlicher Direktor und Leiter des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin im Brüderkrankenhaus Trier, treffe ich in seinem Büro, als er gerade von einem Patientengespräch kommt. "Viele unserer Patienten sind verunsichert, weil in den vergangenen Wochen aufgrund der Corona-Pandemie alle elektiven Operationen verschoben wurden". Unter elektiv werden medizinisch nicht dringliche Operationen verstanden. "Ich komme gerade von einem Tumorpatienten und wir haben den weiteren Untersuchungsprozess besprochen. Anfangs war der Patient wegen Corona verunsichert und es ist schon merkwürdig, wenn man in einem ungewohnt leeren Krankenhaus behandelt wird. Aber selbstverständlich behandeln wir alle Patienten, die behandelt werden müssen, wie gewohnt weiter" erklärt mir Willinek als wir schon auf dem Weg zur morgendlichen Corona-Lagebesprechung im Brüderkrankenhaus sind.
Unterwegs treffen wir Corinna Reis, medizinische Fachangestellte, die mir ebenfalls erzählt, dass ihre Station "leer" sei. "Natürlich möchte jetzt niemand eine Hüft-OP machen" Die meisten Operationen lassen sich problemlos verschieben. Für die Zeit nach Corona habe man eine Warteliste; lange müsse da keiner warten.
Medizin außerhalb von Corona ist auch Thema im Lenkungskreis. "Viele Menschen denken, dass sie wegen Corona im Krankenhaus nicht mehr behandelt werden können. Wir erleben das gerade auch in unserem Zentrum für Notaufnahme, das ungewöhnlich leer ist" erklärt mir Willinek. "Dabei geht es ja in der Corona-Strategie des Bundes und der Länder darum, unser sehr gutes Gesundheitssystem trotz Corona aufrecht zu erhalten.
Konkret wird dieses Thema auch bei der Abstimmung mit der Feuerwehr erörtert, als es darum geht, wie der Transport von COVID-19 Patienten am besten organisiert wird. "Die Desinfektion eines Rettungswagens nach einem Transport dauert bis zu zwei Stunden", meint Thomas Reinholz von der Berufsfeuerwehr Trier, Rettungsdienst, und ergänzt: "Das ist zu lange. Wir planen deshalb eigene Wagen nur für den Transport von Corona-Patienten, so dass unsere Rettungswagen nach wie vor jederzeit einsatzbereit bleiben." Die Regelung findet allgemeine Zustimmung, insbesondere bei Dr. med. Eckart Wetzel, dem ärztlichem Leiter des Zentrums für Notaufnahme.
Die Trennung von Normal- und COVID-19 Patienten ist ein zentraler Schlüssel für die optimale Versorgung. "Zum einen, weil jeder Patient durch eine Corona-Infektion zusätzlich gefährdet würde, da er aufgrund seiner Erkrankung ein höheres Risiko trägt; zum anderen, weil wir natürlich möglichst hohe Kapazitäten für die Behandlung von COVID-19 Patienten vorhalten wollen" erläutert Willinek und ergänzt: "In Trier haben wir uns deshalb mit dem Mutterhaus der Borromäerinnen zusammengetan und ein gemeinsames "Corona-Krankenhaus" im Mutterhaus-Nord "gegründet". Hier werden nur COVID-19 Fälle behandelt und gemeinsam konnten wir die vorhandenen Kapazitäten um zusätzliche Intensivbetten erweitern." Der Vorteil für beide Trierer Krankenhäuser: die Gefährdung von Patienten und Mitarbeitenden durch eine Verbreitung im Krankenhaus wird weiter minimiert und die Versorgung aller Notfälle wie Herzinfarkte, Schlaganfälle u.a. ist vollumfänglich sichergestellt. "Sollte uns die Pandemiewelle schlimmer treffen, als wir zurzeit befürchten, stehen darüber hinaus weitere Kapazitäten für COVID-19 Patienten im Trierer Mutterhaus und Brüderkrankenhaus zur Verfügung" so Willinek.
"Natürlich muss man im Einzelfall immer abwägen, was ist medizinisch notwendig oder wo setzt man einen Patienten womöglich einem unnötigen Risiko aus. Aber es wäre fatal, wenn sich nun niemand mehr zum Arzt traut! Krankenhaus geht nicht im Homeoffice und bei Anzeichen von ungewohnten Beschwerden ist der Hausarzt oder die Notfallambulanz immer noch die erste Adresse. Denn nur hier kann erkannt werden, ob es sich um eine ernsthafte Erkrankung handelt, die weitere Behandlung erfordert - oder ob der Patient beruhigt nach Hause geschickt werden kann" unterstreicht Willinek. (mf)