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13.07.2021

Die Drei vom Herzzentrum 

Die Therapie von Herzerkrankungen hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, mittlerweile existiert eine Vielzahl von unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten. Im Herzzentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier bringen Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammen. Gemeinsam schauen sich Kardiologen, Herzchirurgen und Rhythmologen jeden einzelnen Patienten an und entwickeln eine individuelle Therapie.

V. li.: Professor Dr. Nikos Werner, Professor Dr. Ivar Friedrich und Privatdozent Dr. Frederik Voss sind die drei Chefärzte des Herzzentrums des Brüderkrankenhauses Trier.
V. li.: Professor Dr. Nikos Werner, Professor Dr. Ivar Friedrich und Privatdozent Dr. Frederik Voss sind die drei Chefärzte des Herzzentrums des Brüderkrankenhauses
Trier.

„Das Herz ist ein extrem faszinierendes Organ. Es hat anatomisch eine ganz wichtige Aufgabe und ist auf der anderen Seite auch sehr stark emotional behaftet in unserem Kulturkreis“, erklärt Professor Dr. Nikos Werner, Chefarzt der Kardiologie am Brüderkrankenhaus Trier. Und Professor Dr. Ivar Friedrich, Chefarzt für Herz- und Thoraxchirurgie, ergänzt: „Das Herz ist das zentrale Organ für den Kreislauf, der letztlich alle Organsysteme, alle Zellen unseres Körpers miteinander verbindet.“

Geballte Kompetenz

Nicht nur die Faszination für das Organ Herz verbindet die beiden Ärzte, sondern auch die tägliche Arbeit. Im Herzzentrum im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier arbeiten Mediziner verschiedener Fachrichtungen sehr eng zusammen – auf gemeinsamen Stationen sowie in regelmäßigen Besprechungen. Es sind Mediziner aller Disziplinen, die sich mit der Herzund Kreislaufmedizin beschäftigen: Kardiologen, Herzchirurgen, Rhythmologen, aber auch speziell geschulte Anästhesisten. Zudem kommen bei Bedarf Radiologen und andere Fachärzte dazu und unterstützen die Herzmediziner. Die Grundidee des Herzzentrums, das vor drei Jahren gegründet wurde: Die Spezialisten bringen ihre unterschiedliche Expertise zusammen und entwickeln gemeinsam die beste Therapie für jeden einzelnen Patienten.

Im Herzzentrum arbeiten alle Disziplinen eng zusammen, die sich mit der Herz- und Kreislaufmedizin beschäftigen.
Im Herzzentrum arbeiten alle Disziplinen eng zusammen, die sich mit der Herz- und
Kreislaufmedizin beschäftigen.

Verbesserte Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das ist umso wichtiger, da laut Robert Koch-Institut Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die führende Todesursache in Deutschland sind und insgesamt etwa 40 Prozent aller Sterbefälle verursachen. Was die Statistik allerdings auch zeigt: Herzinfarkte, Herzschwäche oder koronare Herzkrankheit lassen sich immer besser behandeln. Die steigende Lebenserwartung in Deutschland ist zu einem überwiegenden Teil auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bei Herzpatienten zurückzuführen.

Was macht die Kardiologie?

Die Kardiologie ist ein Teilbereich der Inneren Medizin. Kardiologen kümmern sich um die Erkennung, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens, des Herz-Kreislauf-Systems und der herznahen Gefäße. Neben interventionellen Eingriffen führen sie medikamentöse Therapien sowie unterschiedliche Untersuchungen mit Ultraschall und anderen bildgebenden Verfahren durch.

Was macht die Herzchirurgie?

Die Herzchirurgie (genauer Herz-Thorax-Chirurgie) umfasst alle operativen Eingriffe am Herzen und den herznahen Gefäßen. Herzchirurgen führen Operationen an den Herzkranzgefäßen, den Herzklappen und den großen Gefäßen des Brustraums, operative Korrekturen von angeborenen und erworbenen Herzfehlern bis hin zu Herztransplantationen durch.

Was macht die Rhythmologie?

Die Rhythmologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen, die in unterschiedlichsten Formen vorkommen. Rhythmologen sind auch Kardiologen mit einer speziellen Weiterbildung in Rhythmologie.

Innovationen in allen Bereichen

„Wir erleben eine unglaubliche Innovation und Entwicklung in der Herzmedizin in den vergangenen Jahren“, sagt Professor Dr. Werner. In seinem Fachgebiet der Kardiologie betrifft das vor allem die Kathetertechnik. Schon lange werden gefährliche Verengungen in den Blutgefäßen geöffnet, indem mithilfe eines Katheterschlauches ein Ballon durch die Blutbahn an die betroffene Stelle gebracht und dort aufgeblasen wird – zur Stabilisierung werden dann häufig zusätzlich Stents, also kleine Drahtgeflechte, installiert. Seit einigen Jahren können Kardiologen aber auch andere Herzerkrankungen mithilfe der Kathetertechnik behandeln. „Wir sind in der Lage, minimalinvasiv, durch kathetererbasierte Verfahren, Herzklappen zu ersetzen und zu reparieren“, erklärt der Chefarzt der Kardiologie. „Kaum ein Bereich hat sich so sehr entwickelt wie die Herzmedizin“, fügt Professor Dr. Ivar Friedrich begeistert hinzu. Auch in der Herzchirurgie werde dank technischer Entwicklung zunehmend minimalinvasiv operiert, das heißt möglichst schonend mit der sogenannten Schlüssellochtechnologie. Das Brüderkrankenhaus hat bereits seit 1991 eine herzchirurgische Abteilung – mit dieser Expertise hebe es sich von vielen anderen Krankenhäusern in der Region ab. „Was seit einigen Jahren neu ist: Die gemeinsame Arbeit von Chirurgen und Katheterspezialisten, um möglichst schonende Behandlungsverfahren für den Patienten bereitzuhalten“, erklärt der Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie. „Es gibt eine ganze Menge an Eingriffen, die wir gemeinsam machen.“ Und diese werden in Zukunft sogar zunehmen, weil es immer mehr Mischverfahren gebe. 

Auch die Rhythmologie, also die Therapie von Herzrhythmusstörungen, hat große Fortschritte in den vergangenen Jahren gemacht. Am Brüderkrankenhaus Trier hat sich das Team um Chefarzt Privatdozent Dr. Frederik Voss auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen und die Implantation von modernen Defibrillator- und Schrittmachersystemen spezialisiert.

Vincenzo Raffa geht es dank eines implantierten Defis wieder gut

Dolce Vita dank Defi

Vincenzo Raffas Herz schlägt für die mediterrane Küche – natürlich mit kaltgepresstem Olivenöl. Das stellt er selbst aus den Früchten seines Olivenhains in Süditalien her. Dank eines implantierten Defibrillators kann seine schwere Herzkrankheit ihn nicht dabei bremsen.

Gemeinsam die beste Therapie entwickeln

„Jede einzelne Fachrichtung ist inzwischen extrem spezialisiert, aber alle kümmern sich um das Herz“, erklärt der Kardiologe. Deshalb schlossen sich die Abteilungen Kardiologie, Herzchirurgie und Rhythmologie zusammen. Sie versorgen gemeinsam Patienten auf den Normal- und Intensivstationen und treffen sich regelmäßig zu Besprechungen. Den Vorteil für sie macht Professor Dr. Werner deutlich: „Es ist egal, ob der Patient zunächst zum Herzchirurgen oder zum Kardiologen oder zum Rhythmologen geht. Jeder Patient wird interdisziplinär im Team besprochen.“ 

Dabei schauen sich die Ärzte jeden einzelnen Patienten genau an und beraten über die weitere Therapie: Wie ist die Erkrankung genau ausgeprägt? Wie ist der Gesundheitszustand des Patienten? Und wie sieht es mit Vorerkrankungen aus? Bei der Diagnose greifen sie auf breite Expertise des Radiologischen Zentrums im Brüderkrankenhaus zurück. Das machen sie in der wöchentlich stattfindenden Herzkonferenz, wo neben Kardiologen, Herzchirurgen und Rhythmologen auch speziell ausgebildete Kardio-Anästhesisten teilnehmen, die für die Narkose der jeweiligen Patienten verantwortlich sind, sowie in der täglichen Arbeit.

Alle Spezialisten entwickeln gemeinsam die beste Therapie für jeden Patienten individuell.
Alle Spezialisten entwickeln gemeinsam die beste Therapie für jeden Patienten
individuell.

Mehr Behandlungsoptionen

Die Behandlungsmöglichkeiten sind durch die technische Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Ein Beispiel: Ein Patient hat einen Herzklappenfehler. Während früher eine neue Herzklappe zwangsläufig von einem Chirurgen in einer Operation am offenen Herzen eingesetzt wurde, können das jetzt ein Herzchirurg in einer OP, ein Kardiologe mit einem interventionellen Verfahren oder beide zusammen in einem gemeinsamen Eingriff durchführen. „Wir schauen uns den Patienten ganz genau an bezüglich seiner Herzerkrankung, möglicher Begleiterkrankung, seines Alters und seines psychischen Befindens. Dann können wir aus unserem breiten Methodenspektrum die Technik aussuchen, von der dieser individuelle Patient am meisten profitiert.“ erläutert der Herzchirurg.

Moderner Hybrid-OP für gemeinsame Eingriffe

Ein Ort im Brüderkrankenhaus steht exemplarisch für die enge Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen: Es ist der sogenannte Hybrid-OP – eine Kombination aus einem Herzkatheterlabor auf der einen Seite und einem konventionellen Operationssaal auf der anderen Seite. Das bedeutet: Der Hybrid- OP verfügt über moderne Röntgen- und Ultraschall-Bildgebungssysteme, darunter eine mobile Angiografieanlage, damit Kardiologen die Kathetereingriffe durchführen können – denn nur damit können sie den Katheter innerhalb der Blutbahnen bzw. des Herzens sehen. Gleichzeitig erfüllt der Hybrid-OP alle Bedingungen eines OP-Saals, sodass er sofort auf eine konventionelle Operation umgestellt werden kann. In diesem Raum führen die Ärzte des Herzzentrums komplexe Eingriffe an der Herzklappe durch, genauso wie Implantationen von Schrittmachersystemen. „Hier können wir optimal zusammenarbeiten“, erklärt Professor Dr. Friedrich. 

Bereits 2011 nahm das Brüderkrankenhaus Trier den Hybrid-OP in Betrieb und war damit eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland. Professor Dr. Werner erzählt mit Begeisterung: „Die Etablierung dieses Hybrid-OPs war ein Meilenstein in der interventionellen Behandlung von Herzklappenerkrankungen. Die Inbetriebnahme hat letztendlich dazu geführt, dass wir hier in Trier ein großes Programm für katheterbasierte Herzklappen- Therapien entwickeln konnten.“

„Kaum ein Bereich hat sich so sehr entwickelt wie die Herzmedizin“, weiß Professor Dr. Ivar Friedrich. Auch in der Herzchirurgie werde dank technischer Entwicklung zunehmend minimalinvasiv operiert.
„Kaum ein Bereich hat sich so sehr entwickelt wie die Herzmedizin“, weiß
Professor Dr. Ivar Friedrich. Auch in der Herzchirurgie werde dank technischer
Entwicklung zunehmend minimalinvasiv operiert.

Herzklappen mittels Katheter ersetzen

Zu diesen Therapien gehören der Aortenklappenersatz, die Mitralklappenreparatur und seit kurzem auch die Reparatur der Trikuspidalklappe. Alle diese Eingriffe werden im Hybrid-OP durchgeführt, der es erlaubt, mittels Röntgendurchleuchtung und Echokardiographie eine detailgenaue Darstellung des Herzens zu geben. Die Bildgebung durch speziell ausgebildete Kardiologen ist Voraussetzung für den Erfolg minimal-invasiver Eingriffe. In speziellen Fällen werden chirurgische und interventionelle Techniken kombiniert. Die Kardiotechniker stehen mit ihrer Herz-Lungen-Maschine im Stand-by und können jederzeit die Herzfunktion des Patienten überbrücken. Dies garantiert maximale Sicherheit für Patient und Herzmediziner. „Wir sind heute in der Lage, über einen kleinen Zugang und einen Katheter, der ungefähr die Größe einer Kugelschreiberhülse hat, die Aorten-, Mitral- und Trikuspidalklappe zu reparieren“, freut sich Professor Dr. Werner. 

Auch Professor Dr. Friedrich zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten der Herzmedizin. „Das Wichtigste an der Zusammenarbeit ist der Respekt und die Anerkennung der Kompetenz des jeweiligen Fachkollegen. Und wenn da Wissen zusammenfließt, können wir den Patienten wirklich helfen.“

TEXT: JORIS HIELSCHER | FOTOS: ANDRÉ LOESSEL

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