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Ein besonderer Schwerpunkt

Ein besonderer Schwerpunkt

Mit einem Symposium hat das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier am vergangenen Samstag (26. Januar) das 40-jährige Bestehen seiner Abteilung für Neurochirurgie begangen. Die Referenten stellten das Leistungsspektrum vor und verdeutlichten die intensive Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg. Chefarzt Professor Dr. med. Martin Bettag blickte in seinem Vortrag zurück auf die Entwicklung seiner Abteilung, derweil Gastredner Professor Dr. med. Florian Ringel, Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Mainz, wichtige Zukunftstrends seines Fachs aufzeigte.

Auch der "Mann der ersten Stunde" weilte unter den Gästen: Mehr als zwei Jahrzehnte leitete Professor Dr. med. Klaus Faulhauer als Chefarzt die Trierer Neurochirurgie, von Ende der 1970er bis zur Jahrtausendwende bauten er und sein damaliges Team die Abteilung auf. Dass das Brüderkrankenhaus heute mit etwa 1.750 Operationen jährlich die drittgrößte Neurochirurgie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland stellt - nach den Unikliniken in Mainz und Homburg/Saar - dafür habe Faulhauer seinerzeit die Weichen gestellt, würdigte Professor Dr. med. Martin Bettag das Wirken seines Vorgängers.

Sieben Referenten bot das Programm auf, neben der Vorstellung der Abteilung vermittelten die Redner in ihren Vorträgen mehr als nur eine Ahnung von der Bedeutung der Neurochirurgie. Die Abteilung bilde einen "ganz besonderen Schwerpunkt" des Brüderkrankenhauses und könne hierbei auch auf die große Expertise anderer Fachabteilungen bauen, so Markus Leineweber. Der Hausobere richtete einen "Dank an das gesamte Team, zu dem neben den Ärzten auch die pflegerisch, technisch und therapeutisch tätigen Kolleginnen und Kollegen zählen."

Professor Dr. med. Florian Ringel, Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik, zeigte wichtige Zukunftstrends seines Fachs auf. Bei der Behandlung von Hirntumoren werde die Neuroonkologie auch künftig eine starke Säule bilden. Anders als landläufig angenommen, bilden nicht etwa Operationen am Kopf, sondern Eingriffe an der Wirbelsäule den Schwerpunkt der Arbeit der Neurochirurgen. Laut Professor Ringel werden Fortschritte in der intraoperativen Bildgebung, die neuen Möglichkeiten der Neuromodulation, wie sie beispielsweise beim Schmerzschrittmacher zum Einsatz kommen, die Zunahme minimalinvasiver Verfahren und ein besseres Verständnis der Pathophysiologie die künftige Entwicklung der Neurochirurgie bestimmen.

Auch Professor Bettag wagte einen Ausblick, doch blickte der Chefarzt zunächst zurück und umriss dann die gegenwärtige Bedeutung der von ihm seit 2000 geleiteten Abteilung. Mit 50 Betten, davon zwölf Intensivbetten, und 20 Ärzten, biete man eine Versorgung, deren Einzugsgebiet weit über die Region Trier hinausreiche. Binnen eines Jahrzehnts sei die Zahl der OPs bei Hirntumoren von 172 auf zuletzt 258 gestiegen. Während 2018 rund 35 Prozent aller Eingriffe auf den Kopfbereich entfielen, lag der Anteil der Wirbelsäulen-OPs bei ca. 55 Prozent. Professor Bettag betonte auch den wichtigen Beitrag seiner Abteilung für die fachliche Weiterbildung. So haben sich im Brüderkrankenhaus seit 2005 in mittlerweile 20 internationalen Kursen 376 Ärzte aus 41 Ländern auf dem Gebiet der endoskopischen Schädelbasischirurgie fortbilden lassen.

Der Frage, wozu die Neurologie die Neurochirurgie braucht, ging Professor Dr. med. Matthias Maschke nach. Der Chefarzt der Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologischen Frührehabilitation verwies exemplarisch auf die Zusammenarbeit bei der Behandlung von Schlaganfällen und Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Zahl der an Parkinson erkrankten Menschen bis 2030 verdoppeln werde, so Professor Maschke. Einen wichtigen Stellenwert für seine Abteilung habe die Neurochirurgie auch, weil diese die meisten Patienten für die Neurologische Frührehabilitation zuweise.

Einen historischen Abriss der Entwicklung der Neuroradiologie bot Oberärztin Dr. med. Maria Mörsdorf. Die Sektionsleiterin Neuroradiologie im Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin erläuterte unter anderem die Fortschritte in der Therapie von Schlaganfällen, wie sie die Thrombektomie bietet. Hierbei wird das Blutgerinnsel in den großen Hirngefäßen über Katheter, die von der Leistenarterie in die Halsschlagadern und in die Hirngefäße vorgebracht werden, entfernt. Privatdozent Dr. med. habil. Tim Piepho erläuterte anschließend die Rolle der Intensivmedizin, an der für viele neurochirurgische Patienten kein Weg vorbeiführt. Es sei damit zu rechnen, dass immer mehr alte Menschen auf einer Intensivstation behandelt werden müssten, so der Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin des Brüderkrankenhauses. Eine größere Bedeutung komme künftig der Telemedizin zu,  erklärte Dr. Piepho.

Die Arbeit des Hirntumorzentrums, das 2014 als erste zertifizierte Einrichtung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland seine Arbeit aufnahm, stellte Dr. med. Marcus Mehlitz vor. Neben einer guten medizinischen und operativen Behandlung spielen unterstützende Verfahren eine große Rolle bei der Verbesserung der Patientenversorgung, berichtete der Leitende Oberarzt. Entsprechend eng arbeite man unter anderem mit der Palliativmedizin und der Psychoonkologie zusammen

Voraussichtlich im Juni 2019 wird auch das Wirbelsäulenzentrum Trier zertifiziert, kündigte Dr. med. Andy Ottenbacher an. Der Oberarzt erklärte, dass dank "einer klareren Zuordnung der Pathologien und der Systemkategorien" die Zuständigkeit für die Behandlung bestimmter Erkrankungen der Wirbelsäule geklärt seien; die Zeiten, in denen Orthopäden, Unfallchirurgen und Neurochirurgen jeweils ausloteten, wer sich im Einzelfall der Behandlung annehme, seien passé.

Als "eine der größten Errungenschaften der letzten Jahre in der Neurochirurgie" bezeichnete Professor Bettag die HF 10-Therapie. Das Verfahren, bei dem mittels "Schmerzschrittmacher" hochfrequenter Strom die Schmerzimpulse überlagert und so die Belastung senkt, wird seit vier Jahren im Brüderkrankenhaus angewandt. Laut Oberarzt Dr. med. Gernot Surges ergab eine Befragung von 270 zwischen Mai 2015 und Januar 2019 behandelten Patienten, dass mehr als 90 Prozent von der Behandlung profitierten. Anhand mehrerer Fallbeispiele verdeutlichte Dr. Surges die breite Palette an Indikationen, bei denen der "Schmerzschrittmacher" eine Behandlungsoption biete. Zwar zeige die HF 10-Therapie bei etwa zehn Prozent der Patienten keine Wirkung, doch bestehe kein Zweifel, dass vielen, oft schon seit vielen Jahren von Schmerzen geplagten Menschen geholfen werden könne.        

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