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Großes Interesse an einem sensiblen Thema

Großes Interesse an einem sensiblen Thema

Schätzungsweise eine Millionen Menschen wünschen sich hierzulande eine Behandlung ihrer Inkontinenz. Von unfreiwilligem Harn- oder Urinverlust betroffen sind noch weitaus mehr Frauen und Männer. Das Schweigen über das schambehaftete Thema zu brechen, sei eines der Ziele des Moselzentrums für Kontinenz, betont dessen Zentrumsleiterin und urologische Oberärztin Dr. med. Silvia Salm. Vor zehn Jahren wurde das MZK erstmals zertifiziert, aus diesem Anlass richteten die Experten nun einen großen Aktionstag im Brüderkrankenhaus Trier aus.

Er gibt den inneren Organen Halt und unterstützt die Funktion der Schließmuskeln von Darm und Blase, auch für das sexuelle Erleben ist die Bedeutung des Beckenbodens nicht zu unterschätzen. Gemessen an seinen vielfältigen Aufgaben scheint die Wahrnehmung dieser Körperregion jedoch noch ausbaufähig, denn ins Bewusstsein rückt sie meist erst dann, wenn Probleme auftauchen; beispielsweise infolge einer Senkung der Bauchorgane.

Hiervon sind vor allem Frauen betroffen, berichtete die Gynäkologin Dr. med. Anne-Marie Weber, Sektionsleiterin der Gynäkologie / Geburtshilfe im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang bei dem  Aktionstag des Moselzentrums für Kontinenz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Wie die Oberärztin weiter ausführte, werden Senkungen der Gebärmutter, der Blase oder des Darms oft von einer Harn- oder Stuhlinkontinenz begleitet. Wesentliche Ursachen für eine Senkung von Bauchorganen seien Geburten und Operationen, aber auch eine Bindegewebsschwäche. Zu den Risikofaktoren zählen laut Dr. Anne-Marie Weber zudem Übergewicht und Rauchen - letzteres, weil Nikotinkonsum die Bindegewebsqualität zusätzlich verschlechtere.

Dr. med. Thomas Sohns, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang, widmete sich in seinem Vortrag der Stuhlinkontinenz, von der rund zwei Prozent der Bevölkerung betroffen seien. Unter älteren Menschen sei diese noch weitaus häufiger, hier betrage sie bis zu 15 Prozent. Auch wenn es verschiedene Auslöser gebe, würden bei einer Stuhlinkontinenz doch immer auch mehrere Faktoren ineinandergreifen; etwa die Schließmuskelkraft, die Frequenz des Stuhlgangs oder die Kapazität des Mastdarms. Zur Abklärung der Ursachen würden heute Untersuchungen angewandt, "die kurz und nicht oder kaum schmerzhaft" seien, so Dr. Sohns. Vorrang bei einer Therapie sollten vor allem konservative Methoden wie Beckenbodentraining oder eine medikamentöse Behandlung haben, erklärte der Chirurg, was zuvor schon die Gynäkologin Dr. Anne-Marie Weber betont hatte: "Die wenigsten Kontinenz-Probleme lassen sich mit einer OP beheben."

Die weitaus meisten Männer, die von unfreiwilligem Harnverlust betroffen sind, leiden an einer Dranginkontinenz, sprich einer überaktiven Blase. Anders als bei Frauen ist eine Belastungskontinenz bei Männern eher selten und häufig Folge einer Prostata-OP, erklärte Dr. Silvia Salm, Oberärztin der Abteilung für Urologie und Kinderurologie im Brüderkrankenhaus Trier und Zentrumsleiterin des MZK, in ihrem Vortrag. Gerade bei einer radikalen Entfernung der Prostata sei eine Inkontinenz in letzter Konsequenz nicht völlig auszuschließen, insbesondere in den ersten sechs Monaten nach der Operation.

Eine bleibende Inkontinenz entwickelten zwischen 5 und 15 Prozent der Betroffenen, bezifferte Dr. Salm, und auch sie unterstrich, dass zunächst meist konservative Methoden angewandt würden, etwa Beckenbodentraining, eventuell unterstützt durch eine Elektrostimulation. Erst wenn konservative Methoden nicht zum gewünschten Ziel führten, würden OP-Verfahren in Betracht gezogen. Hierbei sei der Einbau eines künstlichen Schließmuskels die am längsten eingesetzte operative Therapie, die zudem die höchste und langfristigste Kontinenzrate verspreche, führte die Urologin weiter aus.

Unisono appellierten die Experten, mit einer Änderung des eigenen Lebensstils einen Beitrag zur Verbesserung der Kontinenz zu leisten. Mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und einer Gewichtsreduktion lasse sich oft schon viel ausrichten, so der einhellige Tenor. Auf die Mitarbeit der Patienten kommt es auch beim Beckenbodentraining an. Unter fachlicher Anleitung von Physiotherapeutinnen des Brüderkrankenhauses und des Klinikums Mutterhauses, wurde ein solches im Anschluss an die Vorträge angeboten. Hierbei konnten die Teilnehmer auch ein "Posturomed" testen, eine Art schwingender Platte.

Extra: Das Moselzentrum für Kontinenz (MZK) - Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Trier wurde 2006 von Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier und Marienkrankenhaus, heute Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang, gegründet. Es versteht sich als Anlaufstelle für Patienten mit Inkontinenz sowie Blasen-und Darmfunktionsstörungen.

Im MZK arbeiten sechs medizinische Fachabteilungen zusammen: vom Brüderkrankenhaus die Abteilungen für Urologie und Kinderurologie, Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation sowie Innere Medizin/Gastroenterologie und Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie; vonseiten des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang jene für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Allgemein- und Viszeralchirurgie. Hinzu kommen die Abteilungen für Physiotherapie in beiden Häusern.

Zu den Kooperationspartnern zählen darüber hinaus das Patienten-Informationszentrum (PIZ) des Brüderkrankenhauses, das Sanitätshaus der Barmherzigen Brüder sowie die Deutsche Kontinenzgesellschaft und das Sozialpädiatrische Zentrum. MZK-Zentrumsleiterin Dr. Silvia Salm ist auch betreuende Ärztin des Gesprächskreises Blasen- und Darmfunktionsstörungen, der sich viermal im Jahr zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch trifft.

Bildunterzeile: Die Physiotherapeutinnen Anna Schmitt (Brüderkrankenhaus Trier) und Daniela Kiesgen, Teamleiterin Physiotherapie im Klinikum Mutterhaus Ehrang, mit Zentrumsleiterin Dr. med. Silvia Salm sowie Dr. med. Anne-Marie Weber und Dr. Thomas Sohns (beide Klinikum Mutterhaus Ehrang). Foto: Brüderkrankenhaus Trier  

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