18.09.2008

Verletzungen an der Seele

Im Trierer Brüderkrankenhaus werden Unfallpatienten frühzeitig psychologisch betreut

Fast täglich ereignen sich auf den Straßen der Region schwere Verkehrsunfälle. Viele Verletzte tragen nicht nur körperliche Blessuren davon, sondern haben darüber hinaus auch mit posttraumatischen Beschwerden zu kämpfen. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier setzt die traumaspezifische Behandlung bereits während des stationären Aufenthalts der Patienten ein.

Das Empfinden, in akuter Lebensgefahr zu schweben, ein Gefühl der plötzlichen völligen Ausweglosigkeit, - all dies ist kennzeichnend für eine traumatische Erfahrung. Bei Verkehrsunfällen sind diese Momente oft nur von kurzer Dauer, doch sind die Betroffenen in ihrem Fahrzeug eingeklemmt oder hat der Unfall zu schweren Verletzungen geführt, dauert die erlebte Hilflosigkeit und Bedrohung auch über einen längeren Zeitraum.

Bei rund 15 Prozent aller schweren Verkehrsunfälle erleben die unmittelbar Beteiligten ein Psychotrauma und zeigen nach einer gewissen Zeit, nach dem Schock und nicht selten auch erst nach einigen Wochen oder Monaten, posttraumatische Beschwerden, berichtet Dr. Birgit Albs-Fichtenberg, Leiterin des Psychologischen Fachdienstes im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (BKT).

Im überregionalen Traumazentrum des Brüderkrankenhauses werden Unfallpatienten routinemäßig schon während ihres stationären Aufenthalts psychologisch beraten und betreut. Dabei geht es in erster Linie darum, die Betroffenen im Gespräch darauf vorzubereiten, dass neben dem Körper auch die Psyche die Folgen des Unfalls verarbeiten muss. Denn während bei den meisten Patienten die klassischen Symptome psychotraumatischer Beschwerden wie Albträume, Schlafstörungen, Panikattacken, Spannungszustände, Konzentrationsstörungen und Schweißausbrüche bereits in den ersten Wochen nach dem Unfall abklingen und nach spätestens einem Jahr verschwunden sind, bedarf es bei rund einem Drittel aller Betroffenen einer psychotherapeutischen Behandlung, beziffert Dr. Albs-Fichtenberg, zu deren Schwerpunkten die Psychotraumatherapie zählt.

Bei posttraumatischen Beschwerden handelt es sich um eine normale Reaktion des Menschen auf eine Extremsituation. In der frühen Phase nach einem Unfall ist es daher wichtig, Angst vor den psychischen Reaktionen auf den Unfall zu nehmen, frühzeitig Kontrollmöglichkeiten aufzuzeigen und Unterstützung zu leisten, auch wenn das Augenmerk vonseiten der Betroffenen und Angehörigen zuvorderst auf die Behandlung und Gesundung der physischen Leiden liegt. Hier setzt das Angebot im BKT an.

"Wichtig ist vor allem der Umgang mit den Betroffenen in der Zeit unmittelbar nach dem Unfall", sagt Dr. Albs-Fichtenberg. Um länger anhaltenden posttraumatischen Beschwerden vorzubeugen, komme es zunächst darauf an, den Patienten in jeder Hinsicht zu entlasten. "Dessen Bedürfnisse müssen absolut im Mittelpunkt stehen", erklärt die Diplom-Psychologin. Das könne auch bedeuten, dass das Gesprächsangebot des Psychologischen Fachdienstes erst einmal nicht wahrgenommen werde, da der Patient in der Situation vor allem nach Ruhe verlange. "Er weiß dann aber, dass er sich an uns wenden kann", so Albs-Fichtenberg. Der Betroffene muss sich mit seinen Ängsten und Bedürfnissen verstanden und aufgehoben fühlen, lautet das wichtigste Ziel.

Ebenso wichtig ist aber, dass die Patienten und auch deren Angehörige, für die die Folgen des Unfalls oft ebenfalls traumatisch sind, frühzeitig auf professionelle Helfer stoßen, welche die Symptome einer Traumatisierung richtig deuten und einordnen können. "Wir wollen verhindern, dass die Beschwerden chronisch werden", erläutert Dr. Albs-Fichtenberg. Mittels psychotherapeutischer Verfahren könne erreicht werden, dass der Patient langsam aber sicher eine innere Distanz zum traumatischen Geschehen aufbaue, erläutert die Expertin. So durchlebten nicht wenige das Unfallereignis in einer Art permanentem inneren Film immer und immer wieder. Diesen Film zum Anhalten zu bringen oder aber innerlich weiterzuspulen bis zu einem Punkt, der dem Betroffenen zeigt, dass er auf einem guten Weg ist, kann ein erster Schritt sein, um die posttraumatischen Beschwerden abzubauen.

Dr. Albs-Fichtenberg verweist in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen, welche die Notwendigkeit einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem Unfalltrauma unterstreichen: "Studien der gesetzlichen Unfallkassen belegen, dass der Wiedereinstieg von Unfallopfern in den Beruf nach erfolgreicher unfallchirurgischer Behandlung häufig scheitert, und zwar an den psychosomatischen Beschwerden". Eine rechtzeitige und adäquate Behandlung des Traumas helfe den Betroffenen, rasch wieder Kontrolle über ihr Leben zu erlangen und den privaten und beruflichen Alltag zu meistern. "Die Chancen hierfür stehen jedenfalls sehr gut", so Albs-Fichtenberg.

Pressekontakt

Pressesprecherin
Anne Britten

Telefon: +49 (0)651 208-2105
Telefax: +49 (0)651 208-1176

E-mail: presse@bk-trier.de

Ansprechpartner

Psychologischer Fachdienst

Dr. rer. nat. B. Albs-Fichtenberg
Psych. Psychotherapeutin

Telefon: +49 (0)651 208-2252
Sekretariat: +49 (0)651 208-2251

E-Mail: psychologie@bk-trier.de

Psychologischer Fachdienst


Unfallchirurgie
Chefarzt
Dr. Andreas Junge
Chirurg, Unfallchirurg, D-Arzt

Sekretariat: +49 (0)651 208-2598/2611

E-mail: unfallchirurgie@bk-trier.de

Unfallchirurgie
Zentrum für Notaufnahme

Dr. rer. nat. Birgit Albs-Fichtenberg
Dr. rer. nat. Birgit Albs-Fichtenberg