06.12.2012

Live-Schaltung zur Uniklinik Neu-Delhi

Im Rahmen eines mehrjährigen Kooperationsprojektes zwischen der neurochirurgischen Abteilung des Brüderkrankenhauses und der neurochirurgischen Abteilung der größten Uniklinik in Neu-Delhi, dem All India Institute of Medical Sciences (AIIMS), fand Ende November eine Live-Übertragung eines neurochirurgischen Eingriffs (endoskopische Schädelbasischirurgie) aus Trier nach Indien statt.

Trierer Neurochirurgen unterstützen Ausbildungsprojekt in Indien

7.00 Uhr morgens, Professor Martin Bettag, Chefarzt der Neurochirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, trifft die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Videokonferenz mit der größten indischen Universitätsklinik in Neu-Delhi, dem All India Institute of Medical Sciences (AIIMS). Dort absolvieren 18 neurochirurgische Ärzte eine Fortbildung in endoskopischer Schädelbasischirurgie. Mit vor Ort ist Dr. Christoph Busert, Oberarzt in der Neurochirurgie des Brüderkrankenhauses, der zusammen mit dem indischen Projektleiter Prof. Ashish Suri den Workshop in Neu-Delhi leitet. Die Leitung nach Indien ist besetzt. Christian Höfner, Medizintechniker in der Neurochirurgie, wählt nochmals an, diesmal klappt es. Die Teilnehmer des Workshops in Neu-Delhi sitzen erwartungsvoll vor dem Bildschirm. Sie haben sich am Vormittag mit Endoskopie, Anatomie und einem ersten Vortrag über Operationen beschäftigt. Bettag beginnt mit dem endoskopischen Eingriff an einem präparierten Schädel. Er führt das Endoskop zunächst in die rechte Nasenöffnung des Präparats ein und beschreibt detailgenau, was er sieht, wie das Instrument zu führen ist und durch welche Regionen der Operateur sich bewegen darf. Zielregion ist die Hypophysenregion, die Hirnanhangdrüse, die in einer knöchernen Vertiefung der Schädelbasis auf Höhe der Nase mitten im Schädel sitzt. In der linken Hand hält Bettag das Endoskop, in der Rechten die erforderlichen Arbeitsinstrumente zum Saugen, Schneiden oder Fräsen.

Experte für Endoskopische Schädelbasischirurgie

Die sogenannte endoskopische transnasale Schädelbasischirurgie ist eine Weiterentwicklung der herkömmlichen mikrochirurgischen Operationsmethode. Vorteile bestehen in der besseren Ausleuch-tung des Operationsfeldes durch das Einbringen von Licht nahe an die anatomischen Strukturen und einer kontrollierten operativen Entfernung von Tumoren, die teilweise weit in das Hirn hineinreichen. Der 53jährige Bettag ist schon seit vielen Jahren Experte auf dem Gebiet der endoskopischen Schädelbasischirurgie. Regelmäßig bildet er gemeinsam mit Dr. Peter Schäfer, leitender Oberarzt der HNO-Abteilung am Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen, nationale und internationale Neurochirurgen und HNO-Ärzte aus. Seit 2000 leitet Bettag als Chefarzt die Neurochirurgie im Brüderkrankenhaus. Etwa 50 Patienten jährlich werden dort endoskopisch operiert. Die Grundsteine dieser endoskopischen Technik hat Bettag an der Universitätsklinik Mainz erlernt, wo er als Professor von 1995-1999 tätig war. Durch Auslandsaufenthalte in den USA an der Uniklinik Pittsburgh und in den Niederlanden an der Universitätsklinik in Nijmegen konnte er seine Kenntnisse vertiefen.


Etwa 1700 neurochirurgische OPs im Jahr

In Trier arbeitet Bettag mit einem Team von 16 neurochirurgischen Ärzten. Mit etwa 1700 Operationen im Jahr ist die neurochirurgische Abteilung des Hauses die zweitgrößte Neurochirurgie in Rheinland-Pfalz. Aufgrund der Behandlungsschwerpunkte hat sie neben dem regionalen Versorgungsauftrag ein überregionales Einzugsgebiet insbesondere für Wirbelsäulen-Eingriffe, Hirntumoren und endoskopische Verfahren bei Schädelbasis-Prozessen. Um die Vorteile der vollendoskopischen Technik kennenzulernen und die Einführung dieser OP-Methode zu erleichtern, bietet die Neurochirurgische Abteilung in halbjährlichem Abstand 2-3 tägige Ausbildungskurse und Hospitationen an. Das 2008 gestartete Kooperationsprojekt zur endoskopischen Ausbildung junger indischer Ärzte wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Dreimal jährlich finden in Neu-Delhi Workshops statt, bei denen auch immer ein Neurochirurg aus Trier mit vor Ort ist. Regelmäßig kommen auch angehende Fachärzte aus der ganzen Welt zur Aus- und Weiterbildung nach Trier. "We have to stop, Ashish…” verabschiedet sich Bettag um 8:30 Uhr von seinem indischen Kollegen und den Kursteilnehmern in Neu-Delhi. Ein OP-Termin in Trier steht an.
Prof. Dr. med. Martin Bettag bei der Live-Übertragung eines neurochirurgischen Eingriffs
Prof. Dr. med. Martin Bettag bei der Live-Übertragung eines neurochirurgischen Eingriffs

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