26.03.2014

Stuhltransplantation - ein neuer Therapieansatz bei bakterieller chronischer Darmentzündung

Seit kurzem hat die Abteilung für Innere Medizin I im Brüderkrankenhaus Trier unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Christian Kölbel ein neues Therapieverfahren für Patienten mit bakteriellen chronischen Darmentzündungen eingeführt.

Chefarzt Prof. Dr. Christian Kölbel führt neues Verfahren im Brüderkrankenhaus Trier ein

Eine gesunde Darmflora spielt für die Gesundheit des Menschen insgesamt eine wichtige Rolle. Entsteht in der Darmflora ein Ungleichgewicht, etwa in Folge von Antibiotika-Behandlungen, kann es zu Darmentzündungen kommen, die bislang schwer zu heilen waren. Seit kurzem hat die Abteilung für Innere Medizin I im Brüderkrankenhaus Trier unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Christian Kölbel ein neues Therapieverfahren für Patienten mit bakteriellen chronischen Darmentzündungen eingeführt. Dabei wird Stuhl eines gesunden Menschen in den Darm eines erkrankten Patienten übertragen, der dadurch geheilt werden kann. Dieses Verfahren, das schon im 4. Jahrhundert in China beschrieben wurde, ist technisch relativ einfach, nicht belastend und hat eher geringe Nebenwirkungen.

Zunahme an Darminfektionen

"In den letzten Jahren nehmen Darminfektionen, ausgelöst durch das Bakterium Clostridium difficile zu", erklärt Professor Kölbel. "Bei einer Clostridium difficile-Infektion handelt es sich um eine Dickdarmentzündung, die meistens nach Antibiotika-Einsatz auftritt. Durch die Antibiotika-Behandlung kommt es zu einer schlagartigen Vermehrung von Clostridium difficile, weil andere Bakterien, die dieses bösartige Bakterium in Schach halten, unterdrückt werden", so Kölbel. Die Infektion kann zu schweren, bisweilen lebensbedrohlichen Erkrankungen des Dickdarmes führen. Die Patienten leiden an starken Durchfällen, schweren krampfartigen Bauchschmerzen und häufig Fieber. Ein bis zwei Prozent der Patienten versterben an dieser Erkrankung. Die Betroffenen müssen stationär aufgenommen und mit speziellen Antibiotika behandelt werden. "Nicht selten treten chronische Verläufe auf, oder aber die Erkrankung wird wieder aktiv, sobald die hochpreisigen speziellen Clostridium difficile-Antibiotika abgesetzt werden", sagt Kölbel. Da die Erkrankung ansteckend ist, müssen die Patienten im Krankenhaus isoliert werden.

40.000 Bakterienarten im menschlichen Darm

Im menschlichen Darm leben ca. 10 Billionen Bakterien, das sind zehnmal so viele Bakterien wie der Mensch Körperzellen besitzt. Die Bedeutung von insgesamt 40.000 verschiedenen Bakterienarten, die im menschlichen Darm leben, ist weitgehend unbekannt. Antibiotika stören deren ausgewogenes Zusammenleben, das für unsere Gesundheit wichtig ist. Bestimmte Bakterienarten halten krankmachende Bakterien in Schach und schützen so den Menschen vor Infektionen.
Die Stuhltransplantation nutzt nun das allgemeine Prinzip, Infektionen des Darms durch gesundmachende Bakterien zu schützen. "Bei diesem neuen Therapieverfahren wird den Patienten nach einer ausgiebigen Darmreinigung, die auch vor einer Darmspiegelung durchgeführt wird, der gereinigte und gefilterte Stuhl eines gesunden Spenders über eine Sonde in den Dickdarm eingebracht", erläutert Kölbel.

Gute Heilungschancen

Der Mediziner verweist auf eine kürzlich publizierte Studie im New England Journal of Medicine, bei der gezeigt werden konnte, dass mit diesem Verfahren über 90 Prozent der Patienten mit einer Clostridium difficile-Infektion geheilt werden können. Das Verfahren ist technisch relativ einfach, nicht belastend und nebenwirkungsarm. Allerdings ist die Stuhltransplantation noch keine allgemein anerkannte und frei verfügbare Therapie. Inzwischen wurde die Stuhltransplantation viermal als sogenannter individueller Heilversuch mit Erfolg im Brüderkrankenhaus Trier durchgeführt. Patienten, die über mehrere Jahre an einer chronischen Clostridium-Infektion litten, sind seit dieser Stuhltransplantation beschwerdefrei. Die erste Patientin lebt seit gut einem Jahr gesund und ohne Antibiotika, berichtet der Chefarzt.
In spezialisierten Zentren laufen derzeit weltweit weitere Untersuchungen, ob die Stuhltransplantation nicht auch bei anderen Erkrankungen, wie etwa chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder dem chronischen Reizdarmsyndrom, eingesetzt werden kann. Es gibt selbst Untersuchungen dazu, ob nicht gar übergewichtige Patienten vom Stuhl normgewichtiger Patienten bei ihrer Gewichtsabnahme profitieren können.
Für 2014 hat Professor Kölbel mit seinem Team fünf weitere Stuhltransplantationen bei Patienten mit hartnäckiger und nicht mehr anders zu therapierender Clostridium difficile-Infektionen geplant.

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