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17.03.2016

Reparatur am Motor des Lebens

Informationsveranstaltung zu Herzklappentherapien im Brüderkrankenhaus Trier stößt auf große Resonanz

Mit rund 300 Gramm macht das Herz nur einen Bruchteil unseres Körpergewichts aus, doch von seiner Funktion hängt alles ab. Gerät der "Motor des Lebens" ins Stottern, weil etwa die Herzklappen nur noch vermindert funktionieren, sind die Folgen gravierend und oft auch lebensbedrohlich. Um die Therapie von Herzklappenerkrankungen ging es am Samstag, den 5. März 2016, bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung der Abteilung für Innere Medizin III / Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Dr. Karl-Eugen Hauptmann im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Die eingeladenen kardiologischen und herzchirurgischen Referenten informierten interessierte Laien und Ärzte über neuartige Verfahren bei der Reparatur und dem Ersatz von Herzklappen.
Während eines Tages schlägt ein gesundes Herz bis zu 100.000 Mal, binnen 24 Stunden pumpt es mehr als 7000 Liter Blut, erläuterte Dr. Clemens Drobig, Chefarzt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an den MEDIAN Kliniken Moselhöhe und Moselschleife in Bernkastel-Kues. Weil die Menschen älter werden und das Herz somit länger beansprucht wird, ist Verschleiß programmiert. Wesentliche Ursache für Schädigungen der Aorten- oder Mitralklappe wie eine Verengung (Stenose) oder Undichtigkeit (Insuffizienz) sind in mehr als 80 Prozent der Fälle altersbedingte degenerative Klappenerkrankungen.
Aorten- und Mitralklappe sind von großer Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des Herzens. Schließt oder pumpt eine der Klappen nicht mehr vollständig, muss gehandelt werden. Dann ist entweder ein chirurgischer oder ein interventioneller Eingriff gefordert. Oft stehen die Ärzte auch vor der Frage, ob sie operieren müssen oder ein katheterbasiertes Verfahren angewandt werden kann. Die Antwort liefert eine Besprechung im "Herz-Team": "Wir schauen uns jeden Patienten genau an und entscheiden gemeinsam, also Kardiologen und Herzchirurgen zusammen, welches Vorgehen für den Patienten das Beste ist", erklärte Professor Dr. Ivar Friedrich. Der Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie im Brüderkrankenhaus erläuterte anhand von Foto- und Filmaufnahmen den operativen Aortenklappenersatz sowie die Reparatur einer Mitralklappe. Wer sich ein Bild vom Herzen und dessen möglichen Erkrankungen machen wollte, konnte ein im Saal aufgebautes begehbares Herzmodell inspizieren; Mediziner informierten vor Ort am Beispiel des überdimensionierten Organ, wie der "Motor des Lebens" funktioniert und wie beispielsweise Gefäßstützen wirken.

Herzmodell

Enge Zusammenarbeit im Herz-Team          
Ob eine OP angezeigt ist, wird immer auf Basis verschiedener Faktoren entschieden, erklärte Privatdozent Dr. Michael Lauterbach, Oberarzt der Kardiologie. So sei wichtig, wie schwerwiegend die Klappenerkrankung ist und ob der Patient bereits Symptome wie Luftnot oder Engegefühl wahrnimmt. Auch die Frage, ob der voraussichtliche Nutzen das potenzielle Risiko eines Eingriffs rechtfertigt, werde geprüft, so Lauterbach. Eine frühzeitige Diagnose sei wichtig, da sich am Herzen noch keine schwerwiegenderen Schädigungen zeigen sollten, erklärte Professor Friedrich. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass die chirurgischen Verfahren sicher seien und exzellente Ergebnisse zeigten, führte der Herzchirurg aus und berichtete: "Wir konnten schon vielen Patienten, die kurz vor dem Tod standen, zum Überleben und einer insgesamt guten Lebensqualität verhelfen." Dr. Karl Eugen Hauptmann, Chefarzt der Kardiologe des Brüderkrankenhauses, gab zu bedenken, dass viele Patienten trotz schwerster Klappendefekte nicht mehr als operabel angesehen würden, etwa aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder weiterer Erkrankungen. Hier setzen interventionelle Verfahren an, solche, die über einen Herzkatheter vorgenommen werden. Hauptmann erläuterte dies am Beispiel einer transfemoralen Aortenklappenimplantation, kurz TAVI. Hierbei wird über eine Schlagader eine sich selbst entfaltende Prothese zum Herzen geschoben. Die biologische Klappe entfaltet sich nach Freisetzung aus dem Katheter von selbst. Ein wesentlicher Vorteil: Auf eine Narkose kann verzichtet werden, das Verfahren ist also maximal schonend.  Allerdings können Verkalkungen der Beckengefäße den Zugangsweg über die Leistenarterie verlegen. In diesem Falle gibt es ein Alternativverfahren.
Bei einer transapikalen Klappenimplantation erfolgt der Eingriff im Bereich der Herzspitze über einen ca. 5cm langen Schnitt in den Brustkorb. Wie die transfemorale TAVI darf auch dieses Verfahren nur in einem Hybrid-OP durchgeführt werden, erklärte Dr. Fadi Gablawi.  Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Katheter-Labor und OP-Saal. Ob wohl dies in den letzten Jahren sehr selten geworden ist, können die anwesenden Herzchirurgen bei Komplikationen unmittelbar vom Katheter-Verfahren auf einen konventionellen Operationsbetrieb umschalten.
Alle Referenten betonten die enge Zusammenarbeit innerhalb des Herz-Teams. Diese biete Patienten die Garantie, die für sie bestmögliche Therapie zu erhalten. Wobei Dr. Hauptmann und Professor Friedrich unisono zu bedenken gaben, dass man bestimmten Richtlinien unterworfen sei: Anhand eines vorgegebenen Kriterienkatalogs wird ein Verfahren vorgeschrieben und die Übernahme der Kosten für den Fall ausgeschlossen, dass sich die Mediziner für einen anderen Eingriff entscheiden sollten. Hauptmann appellierte an die niedergelassenen Ärzte, Patienten im Zuge der Überweisung nicht gleich eine bestimmte Therapie in Aussicht zu stellen. Damit werde der intensiven Beratung im Herz-Team vorgegriffen und möglicherweise Erwartungen geweckt und unnötige Enttäuschung provoziert.

Enge Zusammenarbeit im Team

Extra: Die deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) hat im Januar das TAVI-Zentrum im Brüderkrankenhaus ausgezeichnet. Für diese Zertifizierung wurden die interventionellen Leistungen der vergangenen drei Jahre vor Ort durch zwei externe Kardiologen überprüft, außerdem die Intensivstation, der Hybrid-OP, das Notfallequipment und die Therapieanweisungen. Im Brüderkrankenhaus werden jährlich rund 250 Interventionen durchgeführt, davon 160 Aorten- und 80 Mitralklappeneingriffe. Bundesweit gibt es aktuell 19 zertifizierte TAVI-Zentren.

 
 

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