13.06.2016

Neueste Geräte für die Endoskopie

Neueste Geräte für die Endoskopie

Ein Expertengespräch über neue Vorsorge- und Behandlungsverfahren im Brüderkrankenhaus Trier

Rund 65 000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an Dickdarmkrebs. Weil die Erkrankung häufig zu spät entdeckt wird, sterben 40 Prozent der Betroffenen an dieser Erkrankung. Nach Lungenkrebs ist der Dickdarmkrebs bei Männern  die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebstodesursache in Deutschland. "Der Dickdarmkrebs entwickelt sich meist aus Polypen, gutartigen Wucherungen der Dickdarmschleimhaut",  erklärt Prof. Dr. med. Christian B. Kölbel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I im Brüderkrankenhaus Trier. Häufig dauert es bis zu zehn Jahren, bis aus den gutartigen Polypen der bösartige Dickdarmkrebs entsteht. Diese Zeit kann man nutzen, um bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) Polypen endoskopisch abzutragen und damit der Krebsentstehung vorzubeugen. Diese Vorsorgeuntersuchung wird von den gesetzlichen Krankenkassen ab einem Alter von 55 Jahren empfohlen und bezahlt.

Rundumblick Endoskope für eine bessere Krebsfrüherkennung

Bei einer Dickdarmspiegelung (Koloskopie) benutzt der untersuchende Arzt Endoskope, die bisher nur einen Blick nach vorne erlauben. Im Brüderkrankenhaus Trier wurde nun ein ganz neuartiges Endoskop angeschafft. Dieses Fuse©-Endoskopsystem arbeitet mit Miniatur-Kameras, die nicht nur an der Gerätespitze, sondern auch an beiden Seiten angebracht sind. "Konnte man mit den herkömmlichen Endoskopen nur nach vorne (110 Grad) schauen, so erlaubt das neue Fuse©-Endoskopiesystem gleichzeitig einen Blick nach beiden Seiten. Damit können über 90% mehr Dickdarmoberfläche erfasst werden als bisher. Das System erlaubt auch, hinter die Darmfalten zu schauen", freut sich Kölbel.

Diese 330 Grad-Panoramasicht ermöglicht also Einblicke in Teile des Dickdarms, die bisher nur durch Abwinkeln der Optik eingesehen werden konnten. In einer Studie der Fachzeitschrift The Lancet Oncology konnte kürzlich gezeigt werden, dass durch das neue System mehr als 40% Polypen erfasst werden konnten. Die neue Endoskopietechnik profitiert auch davon, dass zwei, ja oft drei Untersucher (der Arzt und die Endoskopiepflegefachkräfte) am 4 K Breitbildmonitor die Untersuchung durchführen. Die Untersuchung verläuft nicht anders als eine Standard-Koloskopie und dauert, wie diese, zwischen 20 und 30 Minuten. Für dieses high-end Endoskop wurden 110.000 Euro investiert.

Die Arbeit der Internisten wird immer chirurgischer: Endoskopische Vollwandresektion.

"Bei einer Endoskopie, bei der man Darmpolypen entdeckt, konnten diese bisher nur dann abgetragen werden, wenn es gelang, die Schleimhaut von den darunter liegenden Darmwandschichten zu trennen und abzutragen. Waren die Polypen flach und wuchsen in die Tiefe, so musste bisher operiert werden", erklärt Dr. med. Michael Knoll, leitender Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin I. Seit knapp zwei Jahren können diese flachen Polypen bis zu einer Größe von 4 x 4 cm nun auch sicher endoskopisch entfernt werden. "Mithilfe der sogenannten endoskopischen Vollwandresektion wird das erkrankte polypentragende Areal gleichsam ausgestanzt (Vollwandresektion) und der Defekt in einem Arbeitsschritt verschlossen. "Der Verschluss eines Wanddefektes war bisher die Domäne der Chirurgen. Nun kann der geübte Gastroenterologe schneiden und in einem Vorgang klammern", berichtet der erfahrene Gastroenterologe.  Ein spezielles Klammersystem sorgt dabei mittels Metallclips dafür, dass erst der Verschluss gelegt wird, bevor anschließend mit einem Schlingenkatheter die Wand per Elektroimpuls durchschnitten und die Magen-Darm-Wand abgetragen wird. Mehrere Patienten haben von diesem neuartigen Verfahren im Brüderkrankenhaus schon profitiert.

Gallengangspiegelung mithilfe von miniaturisierten Einmalendoskopen

Vor wenigen  Wochen führten Professor Kölbel und Dr. Knoll erstmals eine Gallengangsspiegelung mit einem ganz neuartigen Gallengangsendoskop im Brüderkrankenhaus durch. Dies ist möglich durch eine weitere Neuerung im Rahmen der Endoskop-Miniaturisierung, die seit kurzem im Brüderkrankenhaus zum Einsatz kommt: Ein Einmalendoskop mit einem Durchmesser von nur 2,5 mm ermöglicht es, über den Mund den Gallengang komplett zu untersuchen.  Mithilfe des neuen "Baby-Endoskops", das mit einem  Videochip ausgerüstet ist, können nun ausgezeichnete Innenaufnahmen des Gallengangs nach außen übertragen werden. "Mit dem Endoskop kann man sogar über einen Arbeitskanal von nur 1,2 mm eine Zange einführen um Gewebeproben aus dem Gallengang zu entnehmen", erklärt Professor Kölbel. Zusätzlich ermöglicht dieser Arbeitskanal auch durch das Einbringen  elektrohydraulischer Sonden Gallengangssteine zu zertrümmern, die dann in einem zweiten Arbeitsschritt abgetragen werden. "Die Black-Box-Gallenwege im Inneren der Leber gibt es damit nicht mehr", ergänzt Knoll. Die hochpreisige Untersuchung (allein das Einmalendoskop kostet mit Zubehör 2.500 Euro) wird von den Krankenkassen bezahlt.

Die beiden Ärzte sind stolz, dass sie in ihrer Endoskopieeinheit im Brüderkrankenhaus auf diese innovativen Methoden zurückgreifen dürfen.