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18.10.2016

Früher erkennen, besser abtragen

Dickdarmtumore zählen hierzulande zu den häufigsten Krebsarten überhaupt, bei Männern handelt es sich um die zweithäufigste Ursache für einen Krebstod. Dabei lässt sich kaum einem Tumor frühzeitiger und besser zu Leibe rücken. Der Darm und neueste Verfahren und Techniken, ihn von Krebszellen freizuhalten oder zu befreien, standen im Zentrum einer Patienten-Informationsveranstaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

 Früher erkennen, besser abtragen

Man müsse sich das vorstellen wie Autofahren mit zwei Rückspiegeln, beschreibt Dr. med. Michael Knoll, Leitender Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin I, die Vorzüge des Verfahrens; mit neuartigen Endoskopen, wie sie im Brüderkrankenhaus zum Einsatz kommen, lasse sich im Rahmen einer Koloskopie nicht nur nach vorne blicken, sondern auch nach beiden Seiten schauen. Der Vorteil: Der behandelnde Mediziner kommt auch kleinsten Polypen auf die Schliche, rund 90 Prozent der Oberfläche des Dickdarms können im Zuge einer Spiegelung unter die Lupe genommen werden.

Polypen sind Vorstufen eines möglichen Karzinoms, werden sie nicht rechtzeitig erkannt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Betroffene an Dickdarmkrebs erkrankt. Bedeutet im Gegenzug aber auch: Werden mithilfe einer Koloskopie Veränderungen der Schleimhaut im meist unbedenklichen Polypen-Stadium aufgespürt, lässt sich die Gefahr in der Regel ohne größere Komplikationen bannen und der Krebs quasi im Keim ersticken. „Wir können heute auch Polypen mit bösartigen Zellen so gut abgetragen, dass der Patient keine OP mehr benötigt“, berichtete Knoll im Rahmen der Patienten-Informationsveranstaltung.

Ein gewisses Risiko, dass beim Abtragen eines Polypen die Darmwand verletzt oder sogar durchstoßen werden könnte, ist gleichwohl gegeben. Doch auch hier gibt es neuartige Verfahren, welche Belastungen und Gefährdungen für die Patienten spürbar senken: So wird mittels einer sogenannten Vollwandresektion gar nicht erst verhindert, dass die Darmwand durchstoßen wird. Vielmehr wird aus der Schleimhaut der Polyp herausgestanzt und die Darmwand sofort wieder komplett geschlossen. So kann sichergestellt werden, dass es im Nachgang nicht zu Undichtigkeiten kommt.

Auf kaum einem medizinischen Gebiet sind die Möglichkeiten minimalinvasiver Verfahren ausgereifter als bei Darmerkrankungen. Dass die sogenannte Schlüsselloch-Technik in den weitaus meisten Fällen vergleichbar gute Ergebnisse liefert wie eine offene Operation, machte Dr. med. Christoph Schuh in seinem Vortrag deutlich. Der Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und stellvertretende Leiter des Darmzentrums gab jedoch auch zu bedenken, dass im Einzelfall entschieden werden müsse, ob minimalinvasive Verfahren bei einem Patienten zum Ziel führen. Liegen bei diesem beispielsweise ausgedehnte Verwachsungen vor, kann eine OP die bessere Option sein. Insgesamt lasse sich sagen, dass die Schlüsselloch-Technik manchmal aufwändiger, in der Regel kostenintensiver sei, jedoch für den Patienten in der Regel auch schonender.

Der Frage, welche Herausforderung die Diagnose Krebs für die Betroffenen und deren Familien und privates Umfeld bedeutet, ging die Diplom-Psychologin und Psychoonkologin Dr. rer. nat. Sabine Schumacher-Bittner ein. „Kein Mensch ist alleine krank“, erklärte sie, „eine Krebsdiagnose stellt für alle Familienmitglieder zunächst ein Gefühl der Bedrohung dar“. Dies sei auch dann zu beobachten, wenn es eine durchaus gute Prognose für den weiteren Verlauf der Erkrankung gebe. Die möglichen psychischen Begleiterscheinungen von Krebserkrankungen wie zum Beispiel Ängste, Depressionen, Schlafstörungen und Erschöpfung lassen sich oft sehr gut behandeln, was zur Entlastung und zu einer verbesserten Lebensqualität von Patient und Familie beiträgt.       

 
 
 
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