27.03.2017

Mehr als jeder zehnte Mensch leidet hierzulande an einer Nierenerkrankung, doch nur die Hälfte der Betroffenen weiß hiervon, und lediglich ein Drittel der Erkrankten erhält eine zielführende Behandlung. Wie immens der Informationsbedarf ist, zeigte sich jetzt auch bei der Veranstaltung „Nierenerkrankungen im Fokus – Eine unterschätzte Gefahr“ im Trierer Brüderkrankenhaus. Anlass waren die diesjährigen Nierenwochen.
Die Bedrohung entwickelt sich zunächst im Verborgenen, erst im fortgeschrittenen Stadium machen sich erste Symptome bemerkbar. "Die Niere spüren Sie nicht", zeigte Professor Dr. med. Stefan Weiner das Dilemma auf. In seinem Vortrag verdeutlichte der Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin II im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier die Bedeutung des wichtigsten Reinigungsorgans für den menschlichen Körper. Versagen die Nieren, können unterschiedliche Beschwerden wie beispielsweise Schwellungen der Beine, Luftnot, Juckreiz, Übelkeit oder Appetitverlust resultieren.
Hinzu kommt: "Je geringer die Nierenfunktion, desto höher ist das Risiko, eine Herz- oder Gefäßerkrankung zu entwickeln", so Weiner. Um eine eingeschränkte Nierenfunktion ausschließen oder feststellen zu können, ist eine Bestimmung verschiedener Indikatoren in Blut und Urin, etwa des Kreatinins und des Harnstoffs vonnöten. "Ist eine erhöhte Menge an Eiweiß im Urin, ist die Niere definitiv krank", erklärte Weiner. Wer an Bluthochdruck oder Diabetes leidet und deshalb ein erhöhtes Risiko für eine Nierenerkrankung hat, sollte sowohl die Nierenfunktion als auch den Urin regelmäßig überprüfen lassen und darauf achten, dass Blutdruck und Diabetes immer optimal eingestellt sind.
Welchen Einfluss der Lebensstil hat, erläuterte der Leitende Oberarzt Dr. med. Erich Jochum. Dieser verwies darauf, dass der weltweit zunehmende Risikofaktor Übergewicht (Motto des Weltnierentags 2017) sowohl Diabetes mellitus und Bluthochdruck als häufigste Ursache des chronischen Nierenversagens begünstige, aber auch zusätzlich durch Überlastung der Nieren deren Funktion verschlechtern könne. Durch Änderung des Lebensstils ließen sich die beeinflussbaren Risikofaktoren vermindern: Vermeidung bzw. Abbau von Übergewicht durch vollwertige Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung, optimale Blutdruck- und Blutzucker-Einstellung. Wie zuvor schon Weiner riet auch Jochum nierenkranken Menschen, auf Nikotin absolut zu verzichten, da dessen Wirkung eindeutig zu einem schnelleren Funktionsverlust der Nieren führe.
Kommt es zum Nierenversagen, sind die Einschränkungen in der Lebensqualität oft erheblich. Oberarzt Dr. med. Nikolaus Wirtz zeigte die Behandlungsmöglichkeiten auf. Während sich die Bauchfelldialyse vor allem zu Beginn einer Nierenerkrankung anbiete und über einen längeren Zeitraum ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermögliche, verlange eine Hämodialyse von den Betroffenen, mehrmals wöchentlich für vier bis fünf Stunden eine Praxis aufzusuchen. Der beste Ersatz für eine stark beeinträchtigte Niere sei ein Spenderorgan, da dieses nicht nur die Blutwäsche übernehme, sondern auch weitere Funktionen wie die Produktion bestimmter Hormone, so Wirtz weiter. Allerdings sei die Bereitschaft zur Organspende auf einem Tiefpunkt angelangt und die Warteliste entsprechend lang, gab der Mediziner zu bedenken. Dr. Wirtz nutzte denn auch die Veranstaltung um an die Zuhörer zu appellieren, sich einen Organspendenausweis zuzulegen.
Im Anschluss
an die Vorträge informierten das Patienten-Informationszentrum (PIZ) des
Brüderkrankenhauses, die Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle e.V. (SEKIS)
und der PKD Familiäre Zystennieren e.V. über ihre Angebote, und auch die Mediziner
waren weiter gefragt. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich mit den
Referenten auszutauschen.