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20.06.2017

„Pflege – Vielfalt im Fokus“: Der diesjährige Pflegekongress im Trierer Brüderkrankenhaus

Bereits zum siebten Mal fand im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier der Pflegekongress statt. Dieses Jahr stand dieser unter dem Motto „Pflege – Vielfalt im Fokus“. Von der Vielfalt konnten sich rund 150 Teilnehmer in Fachvorträgen, Intensivseminaren und Hands on Workshops einen Eindruck verschaffen. Die Fortbildungsinhalte reichten von allgemeiner Pflege und Praxisanleitung, Palliative Care bis hin zur Notfall- und Intensivpflege.

Die Vielseitigkeit, welche der Pflegeberuf schon von Natur aus mit sich bringt, wurde durch das Programm des Kongresses untermauert. Fachvorträge und Intensivseminare böten die Möglichkeit, das eigene Wissen fach- und sachintensiv zu vertiefen, so Aloys Adler, Pflegedirektor des Krankenhaues der Barmherzigen Brüder Trier, in seiner Begrüßungsrede. Der Kongress orientierte sich im Hinblick auf seine Hauptthemen Notfall- und Intensivpflege, allgemeine Pflege, Palliative Care sowie Praxisanleitung an aktuellen berufspolitischen Entwicklungen:  "Bereits die Debatte um die generalistische Pflegeausbildung lässt erahnen, dass es sich um einen Beruf mit vielen Einsatzmöglichkeiten handelt - von der Altenpflege bis hin zur Notfall- und Intensivpflege", sagte Stephan Schwab, stellvertretender Hausoberer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Mit der generalistischen Pflegeausbildung und einer möglichen Neuausrichtung derselben befasste sich Dr. rer. cur. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz in seinem Vortrag "Pflege hat die Wahl - Aktuelle berufspolitische Entwicklungen im Vorfeld der Bundestagswahl". Dr. Mai informierte über aktuelle politische Debatten, die unter anderem die Auflösung der Zweckbindung des Pflegestellenförderprogramms oder die Absenkung der Fachkraftquote in Rheinland-Pfalz betreffen.

Weiterführende, neutrale Informationen zu den Vorhaben politischer Akteure hinsichtlich pflegebezogener Themen stelle die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Wichtig sei es, die eigenen Interessen aktiv zu vertreten: "Wir gründen eine Bundespflegekammer, mit der wir unseren Beruf stark machen", so Dr. Markus Mai. Die Bundespflegekammer diene als Vertretung der Landespflegekammer auf Bundesebene.

Und eine effektive Kommunikation ist nicht nur auf politischem Terrain von Wichtigkeit. "Im Rahmen von Zufriedenheitsumfragen steht die Kommunikation während des Krankenhausaufenthaltes für Patienten ganz oben", so Sandra Mantz, Sprachkompetenztrainerin und Gesprächstherapeutin. Frau Mantz berichtete im zweiten Vortrag anhand von eigenen Praxiserfahrungen in der Altenpflege, wie mit Worten gepflegt werden kann. Allein das Wort "müssen" könne sowohl für die Pflegekraft als auch für den Patienten Stress auslösen. Die gelernte Altenpflegerin verdeutlichte die unterschiedliche Wirkung der Wortwahl auf die Gesprächspartner anhand verschiedener Praxisbeispiele. In stressigen Momenten - für Pflegekraft oder Patient - zähle jedes Wort sowie Gestik und Mimik, denn auch eine hochgezogene Augenbraue könne mit Negativem verbunden werden. "Salutogenese ist wichtig im Gesundheitswesen und bereits ein "schön, dass Sie da sind", kann den Patienten positiv bestärken", so Sandra Mantz.

Kommunikation war außerdem Bestandteil der Pflegesituationen auf den Bildern, die dieses Jahr an den Wänden entlang des Flurs im Tagungs- und Gästehaus des Trierer Brüderkrankenhauses präsentiert wurden. Die rund 50 Schwarz-Weiß Fotos zeigten authentische Momentaufnahmen aus dem Arbeitsalltag Pflegender und gaben das Motto "Pflege - Vielfalt im Fokus" bildlich wider.
Einige der bildlich dargestellten pflegerischen Tätigkeiten waren Thema der Intensivseminare. Denn zu den Inhalten der Kurse, die interne und externe Referenten leiteten, gehörten unter anderem "Möglichkeiten der ambulanten Wundversorgung", "Beispiele praktischer Anwendungen palliativer Pflege" oder "Neue Ansätze zur standardisierten Patientenübergabe". Zudem konnten die Teilnehmer in "Hands on Workshops" nach Anleitung eines Pflegeexperten zum Beispiel das Legen einer Magensonde oder die Vorgehensweisen für eine sichere orale Nahrungsaufnahme üben.

Die Kenntnis der Vorgehensweise bei einer sicheren oralen Nahrungsaufnahme ist besonders für die Betreuung älterer Patienten hilfreich. Der Umgang mit und die Behandlung von geriatrischen Patienten war am Ende des Kongresstages Thema des Vortrages "Delirprävention - Maßnahmen zur Verhinderung eines perioperativen Altersdelirs" von Dr. med. Simone Gurlit, Ärztliche Leitung der Abteilung für perioperative Altersmedizin der St. Franziskus-Hospital GmbH in Münster. Eine Frage, die Dr. Simone Gurlit beantwortete, war: "Warum ist es so schwer, Patienten mit einem Altersdelirs zu behandeln?" Zudem ging sie auf die speziellen Herausforderungen im OP-Management, präoperative Maßnahmen, welche für ältere und kognitiv eingeschränkte Personen Anwendung finden können, sowie den Zusammenhang zwischen Delir und erhöhter Mortalität ein. Weiterhin erläuterte Dr. Simone Gurlit, den Unterschied zwischen Delir und Demenz und führte die Risikofaktoren im Krankenhausalltag auf, die zu einem Delir führen können. Dies seien unter anderem die Katheteranlage, wiederholte Raumwechsel oder die Umstellung der Medikation. 60 Prozent der Delire blieben jedoch zunächst oft unerkannt.

Zwischen Vorträgen und Intensivseminaren fand eine Industrieausstellung statt und die Kongressteilnehmer konnten sich zum ersten Mal mit Angeboten der persönlichen Gesundheitsförderung befassen. Dazu gehörte das Angebot eines Park- und Baumrundgangs über das Gelände der Barmherzigen Brüder Trier sowie eine "Schnelle Entspannung", bei der zum Beispiel Massagetechniken mit einer Eineuromünze demonstriert wurden.

 
 

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