15.11.2019

Der plötzliche Herztod kommt rasch und meist ohne Vorankündigung, erst verlieren die Betroffenen das Bewusstsein, dann ihr Leben. Doch viele dieser Leben ließen sich retten, wenn Umstehende unverzüglich Hilfe leisteten. Hilfreiche Informationen boten die Referenten einer Informationsveranstaltung des Herzzentrums Trier im Brüderkrankenhaus.
Der "Schock fürs Leben" kommt aus einem kleinen Gerät, binnen Sekunden bringt der implantierte Defibrillator das Herz mittels elektrischer Impulse wieder in Takt. 2018 wurden bundesweit rund 26.000 "Defis" eingesetzt, oft dienen sie dazu, ein lebensbedrohliches Kammerflimmern zu unterbrechen. Diese Rhythmusstörung kann zum plötzlichen Herztod führen, an dem weltweit jedes Jahr rund zwei bis drei Millionen Menschen versterben.
In den meisten Fällen trifft es Menschen aus heiterem Himmel - also solche, denen zuvor nicht bewusst war, dass sie gefährdet sein könnten, erklärte Tobias Hauptmann; auch viele jüngere Menschen im erwerbsfähigen Alter seien betroffen. Der Assistenzarzt der Kardiologie weiß: Entscheidend dafür, ob die Betroffenen eine realistische Überlebenschance haben, ist das beherzte Handeln anderer; zum Beispiel von Familienangehörigen, Berufskollegen oder Passanten, die zufällig Zeugen des tödlichen Stillstands sind. Der Erfolg aller Maßnahmen steht und fällt mit dem ersten Glied der Rettungskette. "Wird ein Mensch bewusstlos, sollten Sie sofort die 112 alarmieren. Atmet der bewusstlose Mensch nicht, müssen Sie direkt mit der Herzdruckmassage beginnen", so Hauptmann. "Sie können nichts falsch machen! Machen Sie aber nichts, machen Sie garantiert alles falsch", ermutigte auch Privatdozent Dr. med. Nikos Werner dazu, nach wie vor weitverbreitete Unsicherheiten abzulegen.
Der Chefarzt der Kardiologie war zweiter Referent der gut besuchten Informationsveranstaltung im Brüderkrankenhaus und zeigte die Optionen für eine optimale Therapie der Koronaren Herzkrankheit auf. Die KHK gilt als häufige Ursache für den plötzlichen Herztod. PD Dr. Werner empfahl, Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder Rauchen zu meiden. Zugleich betonte er, bei Symptomen wie Beklemmung und Schmerzen in der Brust, die in Arme, Schulterblätter, Hals und Unterkiefer ausstrahlen, sofort einen Arzt aufzusuchen. "Die meisten Patienten warten zu lange", warnte PD Dr. Werner. Zugleich unterstrich er in einer von Privatdozent Dr. med. Frederik Voss, Chefarzt der Rhythmologie des Brüderkrankenhauses moderierten Fragerunde auf den Hinweis einer Zuhörerin auf die Wartezeiten niedergelassener Fachärzte: "In Akutsituationen kommen Sie in die Notaufnahme!"
Zu den Experten zählte auch Dr. med. Sven Kathöfer, der auf den Risikofaktor "Herzschwäche" einging. An einer solchen litten in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen, bezifferte der Oberarzt der Rhythmologie. Neben einer optimalen Behandlung der Grunderkrankung sowie der medikamentösen Therapie der Herzschwäche, komme bei vielen Patienten ein implantierter "Defi" zum Einsatz, um das mögliche Auftreten eines Kammerflimmerns zu unterbrechen.
Dass die
Implantation eines Defibrillators immer auch einen Einschnitt ins Leben bedeutet,
weiß Anke Kampmann aus ihrer täglichen Pflegepraxis. Die Pflegeexpertin für Menschen mit Herzinsuffizienz
berichtete von Fragen und Ängsten, mit denen sie in ihrer Arbeit konfrontiert
wird; etwa der, ob das Führen von Fahrzeugen noch erlaubt oder welche
sportlichen Betätigungen weiterhin möglich sind. Viele Fragen ließen sich nur
individuell beantworten, so Anke Kampmann, aber generell rate sie, das persönliche
Umfeld ins Vertrauen zu ziehen. Wüssten Familie, Freunde und Kollegen Bescheid,
dass man einen "Defi" trage, könnten sie im Ernstfall besser helfen, gab sie zu
bedenken. Und was das Thema Sport angeht, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg:
"Für Dinge, die Ihnen nicht mehr erlaubt sind, ist nicht der 'Defi‘
verantwortlich, sondern die Herzerkrankung."
Hintergrund: Das Herzzentrum Trier
Das
Herzzentrum Trier - bestehend aus den Kernabteilungen Kardiologie,
Herzchirurgie und Rhythmologie des Brüderkrankenhauses und gemeinsam mit
internen und externen Partnern - versteht sich als Anlaufstelle für alle
Therapieformen von Herzerkrankungen in der Region Trier. Im Herzzentrum Trier
werden Patienten mit sämtlichen kardiovaskulären Erkrankungen behandelt. Ein
besonderer Schwerpunkt liegt auf invasiven Therapieverfahren von angeborenen
und erworbenen Herzklappenfehlern, Herzrhythmusstörungen, arteriosklerotischen
Herzkranzgefäßerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen sowie Erkrankungen der
thorakalen Aorta.