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08.04.2019

Vorsorge zeigt deutliche Erfolge

Jedes Jahr erkranken in einer Stadt von der Größe Triers zwischen 50 und 60 Menschen an Dickdarmkrebs. Dass die Mehrzahl dieser Tumoren in frühen Stadien diagnostiziert werden kann, ist auch ein Erfolg der Vorsorge. Dank dieser wurden bundesweit bereits mehr als 200.000 Krebserkrankungen verhindert, beziffert Professor Dr. med. Jürgen F. Riemann. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „LebensBlicke“ war Festredner eines Symposiums zu zehn Jahren zertifiziertes Darmzentrum am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Vorsorge zeigt deutliche Erfolge

Im Februar verstarb mit Bruno Ganz einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler, im Alter von 77 Jahren erlag der Charakterdarsteller einem Krebsleiden. Wenige Monate zuvor war bei Ganz ein Dickdarmkarzinom entdeckt worden, berichtete Professor Dr. med. Jürgen F. Riemann, der auch wusste: Wie so viele hatte der Schweizer nie eine Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen.

Möglicherweise könnte Bruno Ganz also noch leben, denn dass Vorsorge und Früherkennung beim Darmkrebs Leben retten können, ist wissenschaftlich gesicherter Konsens, erklärte Professor Riemann. Der Gastroenterologe und ehemalige Direktor des Klinikums Ludwigshafen ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung „LebensBlicke“, die sich der umfassenden Information der Bevölkerung über Möglichkeiten und Nutzen der Darmkrebsvorsorge verschrieben hat. Am Mittwoch (27. März) sprach Professor Riemann als Festredner beim Symposium aus Anlass der erstmaligen Zertifizierung des Darmzentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder vor zehn Jahren. „Ich  darf Ihnen und den verantwortlichen Teams sehr herzlich gratulieren zu dieser tollen Aufbauarbeit, die sicher auch in ihrer Region zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlung des kolorektalen Karzinoms geführt hat“, überbrachte der Gast seine Glückwünsche.

Wie Professor Riemann erläuterte, wurden 2017 bei bundesweit rund 448.000 Koloskopien mehr als 130.000 Adenome, sprich gutartige Geschwulste entdeckt, von denen die weitaus meisten endoskopisch abgetragen werden konnten. Unentdeckt wären viele dieser Darmpolypen über einen Zeitraum von bis zu einem Jahrzehnt zu bösartigen Tumoren entartet. Tatsächlich wurde im vorvergangenen Jahr im Zuge der Vorsorgekoloskopien bei 3.825 Patienten auch ein Tumor diagnostiziert –„bei Menschen, die in aller Regel bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Beschwerden hatten“, gab Professor Riemann zu bedenken. Glücklicherweise habe sich der Krebs bei diesen Patienten meist noch in einem sehr frühen Stadium befunden, ergänzte der Internist und lieferte damit einen weiteren Beleg für den Erfolg der Vorsorge.

Doch trotz der hohen Zahl an Koloskopien – nur rund 20 Prozent derjenigen, die Anspruch auf sie hätten, nehmen diese Vorsorgeuntersuchung innerhalb von 10 bis 15 Jahren auch wahr. Um die Rate deutlich zu steigern und so noch mehr Menschenleben retten zu können, werden dank des Krebsfrüherkennungsregistergesetzes (KFRG) alle Versicherten künftig ab dem 50. Lebensjahr von ihren Kassen per Anschreiben zur Vorsorge eingeladen; sprich zu einem Immunologischen Stuhltest und – je nach Befund – gegebenenfalls anschließenden Darmspiegelung. Männer haben bereits ab dem 50. Lebensjahr einen Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie, erkranken sie statistisch gesehen doch früher und häufiger als Frauen.  Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass sich eine gezielte Einladung der Versicherten positiv auf deren Bereitschaft zur Vorsorge auswirke, so Professor Riemann.

Intensiver Austausch mit niedergelassenen Ärzten

Wurde ein sehr großer Polyp oder gar ein Karzinom diagnostiziert, kommt es entscheidend darauf an, wo die Behandlung vorgenommen wird. „Bei Dickdarmkrebs handelt es sich um eine komplexe Erkrankung, die nach einer individuellen und konzertierten Diagnostik und Behandlung verlangt“, erklärte Professor Dr. med. Christian Kölbel den wesentlichen Nutzen des Darmzentrums am Brüderkrankenhaus Trier, das im Januar 2009 erstmals von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurde. Durch dieses Expertennetzwerk seien bislang mehr als 700 Patientinnen und Patienten, bei denen ein Kolon- oder Rektumkarzinom entdeckt worden war, untersucht und behandelt worden, berichtete der Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I. Er dankte dem Team des Darmzentrums, allen voran dessen Leiter Dr. med. Bernd Bretz für die „Kärrnerarbeit“. Der Internist und Oberarzt Dr. Bretz hat das Darmzentrum, das auch Teil des zertifizierten Onkologischen Zentrums am Brüderkrankenhaus ist, aufgebaut. Einen großen Stellenwert bei der Arbeit des Darmzentrums bildet auch der intensive Austausch mit niedergelassenen Fachärzten, von denen zahlreiche zum Symposium gekommen waren.

Mit Blick auf den laufenden und voraussichtlich 2021 fertiggestellten Bau des neuen F-Trakts, in welchem sowohl eine Strahlentherapie als auch eine neue Endoskopie einziehen werden, kündigte Professor Kölbel eine weitere Verbesserung der Infrastrukturen des Brüderkrankenhauses an. Zugleich hob er die hervorragende Zusammenarbeit mit den Chirurgen hervor.

Über deren bedeutenden Part in der Behandlung von Dickdarmtumoren berichtete Professor Dr. med. Detlef Ockert. Der Chefarzt der Allgemein-, Viszeral und Gefäßchirurgie des Brüderkrankenhauses würdigte insbesondere die Aufbauarbeit seines Oberarztes Dr. med. Christoph Schuh, der auch stellvertretender Leiter des Darmzentrums ist. Wie intensiv Gastroenterologen und Operateure in diesem zusammenarbeiten, veranschaulichte Professor Ockert beispielhaft am sogenannten Rendezvous-Verfahren: Hierbei nähern sich erstere endoskopisch und letztere laparoskopisch dem Karzinom und entscheiden gemeinschaftlich, wie dieses optimal entfernt werden kann.

Über unterschiedliche Fachdisziplinen Hand in Hand zusammenarbeiten und so die Kompetenzen bündeln, ist eine der wesentlichen Intentionen des Darmzentrums. Statt wie früher nacheinander einem anderen Arzt vorgestellt zu werden, profitieren die Patienten seit nunmehr zehn Jahren von einem strukturierten und aufeinander abgestimmten Prozess, der von der Vor- bis zur Nachsorge reicht und auch externe Partner mit einbezieht.   

 
 
 
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