27.04.2020
Besonders schonende Beatmung
An Covid-19 erkrankte Patienten aus Trier und dem Einzugsgebiet, die stationär behandelt werden müssen, werden seit Mitte März im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus behandelt. Das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier rüsteten binnen weniger Tage das Klinikum Mutterhaus Nord zur zentralen Anlaufstelle für die gemeinsame stationäre Behandlung von Corona-Patienten um und schufen Kapazitäten für zur Zeit 21 Intensivbetten und 131 Betten auf der Corona-Normalstation. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen setzen die Trierer Mediziner eine neue Generation besonders schonender Beatmungsgeräte ein.
Bei Patienten mit schweren
Verläufen einer Corona-Infektion muss auf der Intensivstation eine
Beatmungstherapie durchgeführt werden. "Hierzu wird bei den Patienten ein
Beatmungsschlauch platziert und über ein spezielles Beatmungsgerät Sauerstoff
gegeben", erklärt Privatdozent Dr. med. Tim Piepho, Chefarzt der Abteilung für
Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Im
Corona-Gemeinschaftskrankenhaus ist er gemeinsam mit Dr. med. Oliver Kunitz,
Chefarzt Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin im Klinikum Mutterhaus
der Borromäerinnen, als ärztliche Leitung für die Corona-Stationen verantwortlich.
Obwohl diese Therapie den
Sauerstoffmangel beheben kann, versterben trotzdem Patienten. Leider auch nicht
wenige: "Die Letalität der schweren Corona-Infektion bei beatmeten Patienten
liegt bei circa 50 Prozent. Sowohl in der Fach- als auch in der Laienpresse wird
daher momentan stark diskutiert, wie mehr Patienten die Erkrankung überleben",
sagt Dr. Kunitz. Während das Credo am
Anfang der Corona-Krise lautete, sehr frühzeitig mit einer Beatmung zu
beginnen, werden momentan Stimmen laut und Studien präsentiert, die das Gegenteil
fordern. "Dies basiert auf der Tatsache, dass eine Beatmungstherapie als solche
selbst auch die Lunge schädigen kann: Durch die Überdruckbeatmung kann es zu
einem Trauma des Lungengewebes kommen. Man spricht von einem sogenannten
Barotrauma oder Volutrauma", so Dr. Piepho.
Für den Intensivmediziner
stelle sich daher die Frage, wann der richtige Zeitpunkt sei, bei
Covid-19-Patienten mit einem Versagen der Lungenfunktion ein Beatmungsgerät
einzusetzen, damit dieses auch hilft und dem Patienten nicht schadet, ergänzt
Dr. Kunitz.
Dem Corona-Gemeinschaftskrankenhaus
in Trier stehen neben den herkömmlichen Beatmungsgeräten noch drei spezielle
Beatmungsgeräte zur Verfügung. Diese neuen "Evone"-Beatmungsgeräte der Firma
Ventinova verfügen über einen besonders schonenden Beatmungsmechanismus: Es wird sowohl die Ein-
als auch die Ausatmung reguliert. Hierdurch ist ein deutlich niedrigerer
Beatmungsdruck als bei anderen Geräten notwendig und die Effizienz der Beatmung
wird erhöht.
Studien zeigen, dass die
negativen Auswirkungen auf das Lungengewebe bei Verwendung dieser Geräte
deutlich reduziert werden. "Wir freuen uns sehr, dass diese drei zusätzlichen
Geräte für das Corona-Gemeinschaftskrankenhaus angeschafft werden konnten und
insbesondere in der Therapie von schwereren Krankheitsverläufen eingesetzt
werden können", erklären die beiden Chefärzte.


