08.12.2021
Herzzentrum Trier gründet kardiologisches Telemedizinzentrum

Herzzentrum Trier bündelt seine telemedizinischen Angebote und gründet kardiologisches Telemedizinzentrum
Die Digitalisierung
verändert das Gesundheitswesen. Dabei spielt auch die Telemedizin eine immer
größere Rolle. Insbesondere im ländlichen Raum wird die Bedeutung der
Telemedizin im Rahmen der Patientenversorgung zunehmen. Schwerpunkte sind die
Versorgung von Patienten im Rahmen von Vorsorge, Diagnostik, Therapie und
Rehabilitation.
„Das Herzzentrum Trier
und auch weitere Fachabteilungen des Brüderkrankenhauses Trier bieten heute schon eine Vielzahl an
telemedizinischen Versorgungsangeboten“, erklärt Prof. Dr. med. Nikos Werner,
Chefarzt Kardiologie und Leiter des Herzzentrums Trier. „Die verschiedenen
telemedizinischen Angebote des Herzzentrums Trier möchten wir nun mit der Gründung eines kardiologischen
Telemedizinzentrums zusammenführen, um so die Patientenversorgung auch über den
Krankenhausaufenthalt hinaus weiter zu verbessern“, sagt Professor Werner.
Bereits 2010 wurde die
Fernüberwachung von Patienten mit implantierten Rhythmusimplantaten am
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier initiiert und über die Jahre
erfolgreich ausgebaut. Heute ist das Herzzentrum Trier in diesem Bereich einer
der größten Anbieter in Deutschland. Für die rhythmologische Fernüberwachung
ist die Abteilung Rhythmologie des Herzzentrums seit vielen Jahren als
„CareLink“-Referenzzentrum ausgezeichnet. „Dabei stellt die telemedizinische
Überwachung der Patienten neben rein technischen Kontrollen insbesondere die
Überwachung von Herzrhythmusstörungen sicher“, sagt Privatdozent Dr. med.
Frederik Voss, Chefarzt Rhythmologie im Herzzentrum Trier. „Neben potentiell
lebensbedrohlichen Arrhythmien ist auch eine umgehende Diagnostik von
Vorhofflimmern möglich, so dass ohne zeitliche Verzögerung eine Therapie zur
Schlaganfall-Prävention eingeleitet werden kann“, erläutert der Rhythmologe.
Daneben ist bei herzinsuffizienten Patienten auch eine drohende kardiale
Dekompensation über die implantierten Aggregate feststellbar. Alle
rhythmologisch überwachten Patienten werden über Pflegefachpersonen und
Oberärzte betreut und telefonisch beraten. Mittlerweile sind dies bereits mehr
als 700 Patienten. „Diese Form der telemedizinischen Nachsorge ist
wissenschaftlich gut untersucht und führt nachweislich zu einer reduzierten
Sterblichkeit“, betont Priv.-Doz. Dr. Voss.
Die gemeinsame Leitung
des kardiologischen Telemedizinzentrums übernehmen Oberärztin Neriman Osman,
Schwerpunktleiterin Herzinsuffizienz und Dr. med. Sven Kathöfer, Leitender
Oberarzt Rhythmologie „Unser Ziel ist es, mittels telemedizinischer Verfahren
die kardiologischen Diagnostikstrukturen im ländlichen Raum zu verbessern“, so
die beiden Herzexperten.
Die Kardiologie des
Herzzentrums überwacht mittels CardioMEMS HF System herzinsuffiziente
Patienten, um frühzeitige kardiale Verschlechterungen zu erkennen
(Telediagnostik). Dabei wird der Druck in der Lungenarterie mithilfe eines dort
eingebrachten Sensors fernüberwacht. „Die direkte Beratung von Patienten mit
drohender Verschlechterung, z.B. über das Heart Failure Nurse Team, erlaubt aktuell bereits eine effektive
Patienten-Teletherapie und Teleedukation“, erklärt Prof. Dr. Werner. Für
Patienten mit diagnostizierter Herzinsuffizienz (Herzschwäche) werden ebenfalls
Video- und Telefonsprechstunden angeboten.
Im Bereich Katheterlabor
und Herzchirurgie erfolgt die Unterstützung der umliegenden Krankenhäuser bei
der Diagnostik und Therapie von Katheterbefunden (Telediagnostik aber auch
Teleintervention). Im Bereich der Intensivmedizin erfolgen die Beratung und
Unterstützung der Notfallversorgung von Herzinfarkt-Patienten über die
Übermittlung des Notarzt-EKGs (Telediagnostik) aus dem Rettungswagen direkt zum
kardiologischen Facharzt im Herzzentrum Trier.
„Die direkte Video-gestützte
Patientenbetreuung im Herzzentrum ist etabliert, wird aber von Seiten der
kardiologischen Patienten bislang nur eingeschränkt genutzt. Die Nachfrage war
zur Zeit der ersten Corona-Welle deutlich intensiver als aktuell“, beobachtet
Professor Werner.
Das Brüderkrankenhaus Trier ist auch über das
Herzzentrum hinaus telemedizinisch aktiv. Videosprechstunden werden beispielsweise
auch von der Abteilung für Neurochirurgie oder der Abteilung für Allgemein-,
Viszeral- und Gefäßchirurgie angeboten. Die Abteilung für Neurologie und
Neurophysiologie nimmt schon seit 2016 als überregionale Schlaganfalleinheit
(Stroke Unit) am Telestroke-Netzwerk in Rheinland-Pfalz teil. Das Zentrum für
Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin ist bundesweit
telemedizinisch mit rund 1.000 anderen Empfängern vernetzt und liefert die
teleradiologische Versorgung für ein weiteres Krankenhaus in der Region.


