10.03.2023
"Wir fühlen mit dem Auge"

Einmal hautnah die Funktionsweise eines „da Vinci-Operationssystems“ erläutert bekommen – diese Möglichkeit nutzten jetzt zahlreiche Besucher zweier Informationsveranstaltungen des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier. Ärzte der Abteilungen für Urologie und Kinderurologie sowie Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie stellten das neue Robotik-Zentrum Trier vor.
Die Frage stand im Raum, doch Oberarzt Christopher Becker griff sie
bereits auf, noch bevor sie aus dem Publikum gestellt werden konnte: Ob denn
der Patient nun von einem Roboter operiert werde und nicht mehr von einem
Menschen? „Nein, das System assistiert, aber der Operateur führt den Eingriff
durch und behält zu jeder Zeit die Kontrolle über die OP“, betonte der Chirurg.
Seit vergangenem Jahr verfügt das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier über ein „da Vinci-Operationssystem“. Nachdem dieses seit einem Dreivierteljahr im Einsatz ist und von Urologen und Chirurgen für unterschiedliche minimalinvasive Eingriffe genutzt wird, bot die Vorstellung des neuen Robotik-Zentrums Trier in dieser Woche (7. und 8. März) Gelegenheit, das System einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Während sich am ersten Tag zunächst Patienten, Angehörige und Interessierte ein Bild von dem System machen konnten, nutzten am zweiten Tag Ärztinnen und Ärzte aus der Region die Gelegenheit, mehr über den „da Vinci“ zu erfahren.
Zunächst im Vortrag und am Ende direkt am Roboter erläuterte Christopher Becker die neuen Möglichkeiten und Besonderheiten des Operationssystems. So sorgt der Roboter für eine sogenannte Tremor-Reduktion, sprich er filtert sämtliche Störbewegungen heraus. Außerdem ermöglichen die Gelenksysteme eine 540-Grad-Rotation. Nur zwei Beispiele von vielen, dank derer das Operationssystem ein Maximum an Sicherheit und Präzision bietet. „Der größte Gewinn für uns Operateure und damit für die Patientinnen und Patienten stellt die hochauflösende 3-D-Technik dar“, berichtete Oberarzt Becker weiter und konkretisierte: „so werden selbst kleinste und feinste Gefäß- und Nervenstrukturen sichtbar.“
Wie wichtig das Sehen bei roboter-assistierten Eingriffen ist, machte auch der urologische Chefarzt Professor Dr. med. Andreas Neisius deutlich: „Wir fühlen mit dem Auge“, zeigte er den Unterschied zur offenen OP und auch zu bislang gängigen Verfahren der minimalinvasiven Chirurgie auf. Denn anders als beim Einsatz des Skalpells direkt am Menschen oder auch eines Endoskops arbeitet der Operateur bei diesem System von der Konsole aus mit kleinen Finger-Joysticks. Professor Neisius unterstrich, dass in jedem Einzelfall mit dem Patienten entschieden werde, ob der „da Vinci“ zum Einsatz kommt. Bewährt habe sich das System insbesondere bei der Entfernung der Prostata und auch bei Nierenteilresektionen, wie sie meist infolge einer Tumorerkrankung nötig werden. In der von Chefarzt Professor Dr. med. Detlef Ockert geleiteten Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie kommt das roboterassistierte Operationssystem vor allem bei der Behandlung von Tumoren des Magen-Darm-Trakts zum Einsatz, etwa bei Dick- oder Enddarmkrebs oder auch Tumoren in Leber und Bauchspeicheldrüse.
Die Erfahrungen andernorts, vor allem in den USA, aber auch hierzulande
unterstreichen die zahlreichen Vorzüge der Technik. So sinke der Blutverlust
ebenso wie die Komplikationsrate, berichtete Professor Neisius; auch
Nachoperationen oder Nervenschädigungen sind seltener als bei einer offenen OP.
Eine beeindruckende Zahl lieferte Chirurg Becker: „Der ‚da Vinci‘ führt 1.300
System-Sicherheitsprüfungen durch – pro Sekunde.“
Umfassende Informationen zum neuen Robotik-Zentrum Trier finden Sie auch auf folgender Homepage.












