18.11.2024

Bewegender Blick auf bewegte Zeiten

Bewegender Blick auf bewegte Zeiten

Im Jahr, als das Überraschungsei auf den Markt kam und die Westdeutschen eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichteten, startete im Brüderkrankenhaus der erste Ausbildungskurs der Schule für Physiotherapie. Ein halbes Jahrhundert später feierte die für das Gesundheitswesen in der Region bedeutende Einrichtung ihr Jubiläum. Der Festakt geriet zu einer bewegenden Zeitreise durch eine bewegte Historie.

Dass zahlreiche Ehemalige der Einladung gefolgt waren, hatte sich schon vor Beginn der Feier abgezeichnet. Auf den Fluren traf man sich wieder, drückte und herzte sich, erzählte von früher und freute sich über ein Wiedersehen nach vielen Jahren. Wenig später, beim Festakt, wollte Alexandra Hartwig es dann genauer wissen: Ob denn auch jemand aus dem allerersten Kurs unter den Gästen sei, fragte die Leiterin der Schule ins Publikum. Da erhob sich Tarzisius Eichenlaub von seinem Sitz, winkte und lächelte ein wenig schüchtern in die Runde, woraufhin Beifall aufbrandete. Fünfzig Jahre nach Beginn seiner Ausbildung zum Krankengymnasten, wie Physiotherapeuten seinerzeit noch genannt wurden, war der heute in Baden-Württemberg lebende Alumni eigens nach Trier gekommen, um den runden Geburtstag seiner Ausbildungsstätte mitzufeiern.

„Zukunft braucht Herkunft“ hatte Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur des Brüderkrankenhauses, in Anlehnung an einen gleichnamigen Buchtitel die Devise ausgegeben – und damit zum Teil erklärt, woher der „besondere Spirit der Schule“ herrührt, von dem Alexandra Hartwig gleich mehrfach an diesem Abend sprach. Gemeinsam mit ihrem Lehrerteam und den aktuellen Schülerinnen und Schülern hatte sie ein Programm auf die Beine gestellt, das einen Blick zurück nach vorne eröffnete. „Vergangenheit meets Gegenwart“ lautete der Titel einer Talkrunde mit den ehemaligen Dozenten Michael Schumacher, Arnold Becker und Peter Reiland. Das Klassensprecherduo des Kurses 10/2023 Jean-Baptiste Noel und Lara Schönhofen ergriff ebenso das Wort wie Thomas Wecker vom Bildungscampus Koblenz, wie die Schule für Physiotherapie eine Einrichtung der BBT-Gruppe. Wecker hielt eine „Rede zur Zukunft“, die sich stark den gegenwärtigen Veränderungen mit Blick auf das neue Berufsgesetz widmete.

Alexandra Hartwig ehrte und dankte zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, und für den musikalischen Glanz der Veranstaltung sorgte die Sängerin Emily Schneider. Ein ganz besonderer Gast saß gleich in der ersten Reihe: Helga Braun-Friederici, die zu Beginn der Schulgeschichte die praktische Ausbildung verantwortete und sich mit ihren inzwischen 88 Jahren nach eigener Aussage noch bester Gesundheit erfreut.

„Physiotherapie ist und bleibt ein Handwerk“, hieß es unisono von jenen, die den Beruf zum Teil seit Jahrzehnten ausüben. Doch wie sehr sich die Zeiten in der Ausbildung verändert haben, macht eine Zahl deutlich: Mussten die Absolventen der Ausbildung vor noch nicht allzu langer Zeit 12.700 Euro Schulgeld zahlen, erhalten sie heute eine attraktive Ausbildungsvergütung. Schätzungsweise 1.250 Frauen und Männer ließen sich bis dato in der Schule für Physiotherapie ausbilden. Aktuell zählt die Einrichtung, die Teil des Bildungsinstituts der Barmherzigen Brüder Trier ist, 80 junge Auszubildende.

Die waren allesamt noch nicht geboren, als die Schule an den Start ging. Doch wies Alexandra Hartwig auf ein weiteres spannendes Phänomen hin: Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen, die hier ihre Ausbildung absolvierten, gaben ihre Leidenschaft für den Beruf an die eigenen Kinder wieder, die dann ebenfalls Schülerinnen und Schüler in der Schule für Physiotherapie wurden.