31.10.2025

Trierer MTR-Azubis absolvierten Projektwoche

„Die einfachsten Dinge werden zur Herausforderung“

„Die einfachsten Dinge werden zur Herausforderung“

Sie lernen bildgebende Systeme in der Schnittbilddiagnostik zu beherrschen und sollen Menschen im Kontext von Gesundheit und Krankheit verstehen; Qualitätssicherung in der Nuklearmedizin zählt ebenso zu den Unterrichtsinhalten der MTR-Ausbildung wie das sichere Handeln mit ionisierende Strahlung. Doch auch der Umgang mit beeinträchtigten Personen findet sich im Lehrplan der angehenden Medizinischen Technologen für Radiologie. Die MTR-Schule des Bildungsinstituts der Barmherzigen Brüder Trier widmete diesem Thema eine Projektwoche, in der die Azubis spannende Selbstversuche unternahmen und vielfältige Eindrücke gewannen.

Jana Kranz hat die Blicke noch vor Augen: „Sehr viele Leute haben einen angestarrt oder mitleidig angeschaut“, schildert die 20-Jährige die für sie neue Erfahrung. Aufmerksamkeit, auf die viele der tatsächlich Betroffenen gerne verzichten würden. Für Jana Kranz jedoch war es ein temporärer Selbstversuch, im Rollstuhl saß sie nur für wenige Stunden – im Rahmen der Projektwoche der MTR-Schule des Bildungsinstituts der Barmherzigen Brüder Trier. „Auf unserem Lehrplan steht auch der Umgang mit beeinträchtigten Personen. Da hatte ich die Idee, ein Projekt daraus zu machen, doch am Ende wurde es eine komplette Projektwoche“, berichtet Schulleiterin Christina Wysocki-Bäumer.

Dass das Thema auf dem Lehrplan steht, kommt nicht von ungefähr: Ob in Praxen oder Kliniken wie dem Brüderkrankenhaus – wer in diesem Beruf arbeitet, arbeitet fast täglich auch mit Menschen, die mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen zu tun haben; ob hörgeschädigte oder blinde Patienten – oder solche, die sich aufgrund einer geistigen oder psychischen Behinderung kaum oder gar nicht mitteilen können.

Oder Menschen, die in ihrer persönlichen Mobilität stark eingeschränkt sind. So gab es eine Gruppe Rollstuhlfahrer, mit der Jana Kranz unterwegs war. Es habe sie beeindruckt, wie viel Lebensfreude Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, doch hätten, berichtet sie. Doch die junge Frau wusste nach einigen Stunden, in denen sie in die für sie fremde Rolle hineinschlüpfte, auch: „Man fühlt sich bestimmt oft beobachtet, obwohl man als ganz normale Person wahrgenommen werden möchte.“

Mitschülerin Nina-Marie Kersch erlebte ebenfalls, wie sich ein Alltag im Rollstuhl anfühlen muss. „Was ich persönlich erstaunlich fand, war tatsächlich, wie anstrengend es schon nach nur wenigen Minuten war.“ Doch die 22-Jährige hat viel mehr gelernt, auch für ihre spätere berufliche Tätigkeit: „Für die Zukunft weiß ich, dass man die Patienten es erst einmal selber versuchen lassen sollte – sei es das Ausziehen von Kleidungsstücken oder das Umsetzen vom Rollstuhl auf den Patiententisch.“ Von den Betroffenen habe sie erfahren: „Vieles kann man selber schaffen und benötigt auch nicht für alles Hilfe, sondern muss immer individuell schauen, ob der Patient tatsächlich Unterstützung wünscht und benötigt.“

Selina Uka war in der Gruppe der Sehbeeinträchtigten gewesen. „Wir haben viele verschiedene Erfahrungen sammeln dürfen, doch am eindrucksvollsten war für mich, sich mit verbundenen Augen ein Brot zu schmieren und blind fortzubewegen“, berichtet die junge Frau, die im ersten Ausbildungsjahr ist. Ihr sei im Rahmen der Projektwoche klargeworden, „dass die einfachsten Dinge im Leben, die wir für selbstverständlich halten, uns vor eine Herausforderung stellen: Es war schwierig, sich fortzubewegen, weil man kein Raumgefühl mehr hatte, nicht wusste wo man ist und sich auf seine Kollegen und andere Sinne verlassen musste; und da wurde dann schwierig, wenn es Nebengeräusche gab.“

Von ihren Erfahrungen erstellten die Azubis Präsentationen für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler – von Videos über Live-Podcasts bis hin zu mit KI generierten Beiträgen reichten die kreativen Ideen. Wie es überhaupt recht kreativ zuging in dieser Projektwoche, die mit einem Teambuilding-Tag im Phantasialand abschloss.