24.09.2026

Akzentsetzer und Teamplayer

Akzentsetzer und Teamplayer

Die Einführung eines neuen Chefarztes ist für jedes Krankenhaus ein besonderes Ereignis. So gesehen erlebte das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier jetzt einen doppelt bedeutsamen Moment – mit der offiziellen Einführung gleich zweier neuer Chefärzte: Während Professor Dr. med. Martin Ellenrieder bereits seit April die Orthopädie leitet, steht Privatdozent Dr. med. Patrick Freyhardt seit Juli an der Spitze des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin des Brüderkrankenhauses. Beide Chefärzte kündigten an, das Behandlungsspektrum ihrer Abteilungen auszubauen, etwa auf den Feldern der minimalinvasiven und roboterassistierten Endoprothetik sowie der interventionellen Radiologie.

Gut 800 Kilometer Fahrtstrecke liegen zwischen der Hansestadt an der Ostsee und der Römerstadt an der Mosel – „praktisch eine Weltreise“, wie Christian Weiskopf, Geschäftsführer der BBT-Region Trier-Rilchingen, scherzhaft anmerkte und so auch zum Ausdruck brachte, dass der Wechsel von Professor Dr. Martin Ellenrieder nach Trier keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. Im April trat der gebürtige Augsburger, der nach seinem Studium in München und im texanischen Houston zunächst an der BG Unfallklinik Murnau und anschließend fast zwei Jahrzehnte an der Universitätsmedizin Rostock tätig war, seine neue Aufgabe als Chefarzt der Orthopädie des Brüderkrankenhauses an.

„Sie haben einen Top-Mann gewonnen“, versprach Universitätsprofessor Dr. med. Wolfram Mittelmeier in seiner Laudatio. Der emeritierte Direktor der orthopädischen Klinik und Poliklinik der Rostocker Universitätsmedizin nannte seinen langjährigen Mitarbeiter, der 2016 habilitierte und 2023 den Titel „Professor“ verliehen bekam, einen „Feinmechaniker, der sein Handwerk“ verstehe. Professor Ellenrieder wiederum nannte die Orthopädie ein „wunderbares Fach“ und lobte die „Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung“, die er in seinen ersten Monaten im Brüderkrankenhaus bereits habe erfahren dürfen.

Er wolle in seiner Abteilung die „komplette Orthopädie mit dem Schwerpunkt Endoprothetik“ anbieten, umriss er sein Programm und nannte beispielhaft die bereits erfolgte Etablierung des Knie-Robotiksystems „ROSA“ sowie den verstärkten Einsatz minimalinvasiver Strategien in der Endoprothetik. Zugleich betonte Professor Ellenrieder die Bedeutung der Nachsorge der Patientinnen und Patienten: Hier wolle er mit allen Akteuren, etwa den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sowie der Physiotherapie, eng zusammenarbeiten. Geschäftsführer Weiskopf attestierte Professor Ellenrieder auch vor diesem Hintergrund, ein „Teamplayer und Akzentsetzer“ zu sein. Ein Team bildet der gebürtige Augsburger unter anderem mit seinem unfallchirurgischen Chefarztkollegen Privatdozent Dr. med. Johannes Hopf in der gemeinsamen Leitung des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie: „Wir ergänzen uns sehr gut!“, erklärte er an die Adresse Hopfs.

Auch das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin des Brüderkrankenhauses hat einen neuen Chefarzt: Privatdozent Dr. med. Patrick Freyhardt studierte an der Universitätsmedizin Berlin, der University of Toronto und dem Imperial College London, bevor er ein Jahrzehnt lang an der Charité tätig war, wo er unter anderem seine Facharztausbildung absolvierte. Anschließend wechselte Priv.-Doz. Dr. Freyhardt ans Helios Klinikum Krefeld, mit rund 1.600 Betten eines der größten Krankenhäuser Nordrhein-Westfalens. Hier war der 48-Jährige zuletzt als Leitender Oberarzt mit den Schwerpunkten Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie sowie kardiale und onkologische bildgebende Diagnostik tätig. Nach seiner Habilitation an der Universität Witten/Herdecke erhielt er 2021 die Lehrbefugnis für das Fach Radiologie.

Dass es auf lange Sicht überhaupt noch Radiologen braucht, stellte vor inzwischen zehn Jahren kein Geringerer als der KI-Pionier und Nobelpreisträger Geoffrey Hinton infrage, erinnerte Professor Dr. med. Tim Piepho, Ärztlicher Direktor des Brüderkrankenhauses, um gleich darauf klarzustellen, wie falsch diese Einschätzung gewesen sei: Dass Künstliche Intelligenz in der Lage ist, ein Muster auf einem Bild zu erkennen, sei zwar unstrittig, so Piepho, „aber am Ende braucht es eine Radiologin oder einen Radiologen, der die Aufnahmen in den Kontext mit den Vorerkrankungen, den Symptomen und den mit den Aufnahmen verbundene Fragen verbindet.“ Zudem habe sich die interventionelle Radiologie in den letzten Jahren rasant entwickelt und werde im klinischen Alltag immer wichtiger.

Dr. Freyhardt sei eine „wahre Führungspersönlichkeit“, den neben seiner großen Expertise in der diagnostischen und interventionellen Radiologie, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit und eine große Offenheit auszeichneten, erklärte dessen langjähriger Chefarzt in Krefeld, Professor Dr. med. Marcus Katoh. Und Dr. Freyhardt räumte gleich zu Beginn seiner Rede ein: „In Trier Chefarzt zu werden, war ursprünglich nicht Teil meiner Agenda“. Überzeugt habe ihn vor allem die Möglichkeit, eine „gut aufgestellte Abteilung mit einem hohen qualitativen Level“ weiterzuentwickeln. Hierbei könne er auf ein tolles Team bauen, das Lust auf Veränderung habe, wie er in den ersten Wochen als Chefarzt bemerkt habe.

Priv.-Doz. Dr. Freyhardt kündigte an, insbesondere das Leistungsspektrum der interventionellen Radiologie ausbauen zu wollen. Hier verfügt das Brüderkrankenhaus schon heute über umfassende Expertise und Erfahrung, beispielsweise bei der Behandlung akuter Schlaganfälle mittels Thrombektomie sowie der Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK). Künftig wolle er im engen Zusammenspiel mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fachabteilungen die interventionelle Radiologie auch auf anderen Gebieten, etwa in der Tumortherapie etablieren.

Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur des Brüderkrankenhauses, nutzte die Einführung der beiden Chefärzte auch zu einem Dank an die Teams der beiden Abteilungen, die in der Zeit der Vakanz an der Spitze nochmal besonders gefordert gewesen seien und diese Herausforderung mit viel Einsatz gemeistert hätten.