30.03.2026
Mit einem Festakt hat das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier seinen langjährigen Chefarzt der Neurochirurgie verabschiedet: Nach mehr als einem Vierteljahrhundert übergab Professor Dr. med. Martin Bettag die Aufgabe nun auch offiziell an seinen Nachfolger Professor Dr. med. Alexander Grote, der seit Januar die Abteilung leitet. „Du wirst das rocken, da habe ich keinen Zweifel“, gab der bisherige dem neuen Chefarzt mit auf den Weg. Der wiederum dankte seinem Vorgänger für die hervorragend aufgestellte Abteilung und das fachlich hochkompetente Team, das dieser ihm hinterlassen habe.
Die beiden Männer haben Maßstäbe gesetzt: Als
Professor Dr. med. Klaus Faulhauer 1978 die Trierer Neurochirurgie gründete,
sollte er fortan 22 Jahre an deren Spitze stehen – bis er im Januar 2000 den
Staffelstab an seinen Nachfolger übergab. Dass Professor Dr. med. Martin Bettag
die Abteilung des Brüderkrankenhauses dann annähernd 26 Jahre leiten würde,
stand nicht zu erwarten. Er werde wohl über sein 70. Lebensjahr hinaus arbeiten
müssen, um mit Professor Faulhauer, der gemeinsam mit seiner Frau zum Festakt
gekommen war, und ihm mithalten zu können, erklärte der bisherige Chefarzt
scherzend an die Adresse des 47 Jahre alten Professor Dr. med. Alexander Grote.
Mehr als ein Vierteljahrhundert prägte Professor
Bettag über seine Abteilung hinaus auch das Brüderkrankenhaus. Als „den letzten
seiner Generation“ bezeichnete ihn Markus Leineweber, Direktor
Unternehmenskultur, mit Blick auf den nunmehr abgeschlossenen Generationswechsel
in der Riege der Chefärzte des Brüderkrankenhauses. Zahlreiche Gäste, darunter
auch ehemalige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter Professor Bettags, waren in
den Albertus-Magnus-Saal gekommen, um die Möglichkeit zum Austausch und zur
Begegnung mit dem scheidenden und dem neuen Chefarzt zu nutzen.
Christian Weiskopf, Geschäftsführer der BBT Region
Trier gGmbH, würdigte Professor Bettag als Mann, der durchaus habe polarisieren
können und Konflikte nicht gescheut habe, der aber „sowohl im ärztlichen als
auch im nichtärztlichen Bereich immer ein loyales Team an seiner Seite hatte“.
Insbesondere mit der Pflege habe ihn ein „inniges Verhältnis“ verbunden.
Weiskopf betonte zudem Professor Bettags Verdienste auf dem Gebiet der
Forschung und Weiterentwicklung seines Fachs sowie in der Ausbildung ärztlichen
Nachwuchses. Hier habe der gebürtige Rheinländer früh national wie auch
international Renommee erlangt. Der Ärztliche Direktor des Brüderkrankenhauses,
Professor Dr. med. Tim Piepho, hob in diesem Zusammenhang auch Professor
Bettags Verdienste um den Aufbau des Medizincampus Trier der
Universitätsmedizin Mainz hervor.
Der so geehrte blickte in einer kurzweiligen
Ansprache auf seine Jahre im Brüderkrankenhaus zurück, die er auch für
zahlreiche Worte des Dankes nutzte. Beginnend bei Professor Faulhauer als
Gründer der Neurochirurgie erinnerte Professor Bettag an den früheren und vor
zwei Jahren verstorbenen Oberarzt Dr. Volker Hochdörffer, den er als
„großartige Persönlichkeit“ würdigte und dem er sehr viel zu verdanken habe.
Das gelte auch für Hochdörffers späteren Nachfolger Dr. Marcus Mehlitz, der
seit 2014 die Funktion des Leitenden Oberarztes innehat und maßgeblich das
Hirntumorzentrum des Brüderkrankenhauses aufbaute. In seinen Dank schloss er zudem seine
Chefarztsekretärin Andrea Goncalves sowie zahlreiche Ärzte und Vertreterinnen
und Vertreter der Pflege mit ein. „Ich weiß, dass ich nicht immer ganz einfach
war“, räumte er selbstkritisch ein, um dann noch einen besonderen Dank an seine
Familie und insbesondere an seine Frau zu richten, die ihn in all den Jahren
immer unterstützt habe.
Etwa wenn dieser wieder auf Reisen war. Zum
Beispiel nach Neu-Delhi, wo Professor Bettag im Zuge der von ihm maßgeblich
mitentwickelten endoskopischen Hirntumorchirurgie indische Neuchirurgen
schulte. Zwischen 2004 und dem Beginn der Corona-Pandemie hatte er jährlich
Neurochirurgen aus der ganzen Welt im Brüderkrankenhaus zu Gast, um diese mit
dem neuartigen OP-Verfahren vertraut zu machen.
International unterwegs war auch schon Professor
Dr. med. Alexander Grote, unter anderem zu Forschungsaufenthalten in den USA
sowie in Frankreich. Der neue Chefarzt habe bereits in den ersten Monaten im
Brüderkrankenhaus bewiesen, dass er „ärztliche und wissenschaftliche Exzellenz
mit Empathie und Führungsstärke“ verbinde, bescheinigte ihm Johannes Kirsch,
Geschäftsführer der BBT Region Trier gGmbH. Ähnlich äußerte sich Professor Dr.
med. Christopher Nimsky, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am
Universitätsklinikum Marburg und damit ehemaliger Chef von Professor Grote, der
in Hessen zuletzt als Geschäftsführender Oberarzt wirkte. Sein ehemaliger
Mitarbeiter sei ein „ganz exzellenter Arzt“ und habe während seiner Zeit in
Marburg über die Berufsgruppen hinweg und insbesondere aus der Pflege große
Wertschätzung erfahren.
Der Zufall will es, dass der neue Chefarzt in jenem
Jahr geboren wurde, in dem die Trierer Neurochirurgie ihre Arbeit aufnahm. Sein
Gebiet sei „das schönste Fach, das man sich vorstellen kann“, so Professor
Grote, der seinem Vorgänger Respekt und Dank für dessen Arbeit zollte. „Ich
habe hier in Trier eine Mannschaft vorgefunden, bei der ich gleich feststellen
konnte – auf die kann ich mich verlassen!“ Der neue Chefarzt weiter:
„Neurochirurgie ist immer Teamleistung“, auch deshalb sei er dankbar für die
hervorragend aufgestellte und hochkompetente Abteilung. Er sehe sich in der
Kontinuität seiner Vorgänger und werde deren Werk gemeinsam mit dem Team auf
gewohnt hohem Niveau fortführen, versprach Professor Grote, der zugleich
ankündigte, auch neue Akzente setzen zu wollen. Das gelte beispielsweise für
die Neuroonkologie, deren Profil er weiter schärfen wolle.