10.08.2026
Kraft schöpfen im Moment des Abschieds

Mit Tod und Sterben werden die Mitarbeitenden von Intensivstationen regelmäßig konfrontiert – und damit auch mit trauernden und bisweilen verzweifelten Angehörigen, die Abschied von einem wichtigen Menschen nehmen müssen. Dem Team der kardiologisch-herzchirurgischen Intensivstation des Herzzentrums im Brüderkrankenhaus Trier liegt die Unterstützung der Angehörigen besonders am Herzen. Das spiegelt sich auch in einem neuen Angebot wider.
Als Katrin Quint im Herbst 2020 auf der
Station 1E des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier ihre neue Stelle
antrat, startete sie in einem Ausnahmezustand, wie ihn Gesellschaft und
Gesundheitssystem hierzulande seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatten:
„Ausgerechnet während Corona habe ich angefangen, hier zu arbeiten“, berichtet
sie. In einer Phase also, in der die Intensivstationen aller Kliniken bis aufs
letzte Bett belegt waren und viele schwer an Covid erkrankte Menschen die
Krankenhäuser nicht mehr lebend verlassen sollten. Katrin Quint hat diese Zeit
noch lebhaft in Erinnerung, doch auch sechs Jahre danach werden sie und ihre
Kolleginnen und Kollegen fast täglich mit Sterben und Tod konfrontiert.
Dass Menschen trotz allen medizinischen
Fortschritts und pflegerischer Professionalität im Krankenhaus versterben, ist
Alltag und darf dennoch nicht Routine werden, sind Katrin Quint und ihre
Kollegin Sandra Schneider überzeugt. Schließlich handelt es sich um
hochsensible Momente und prägende Eindrücke am Ende eines Lebens. Die meisten
Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation des Herzzentrums im
Brüderkrankenhaus Trier sind intubiert, werden also künstlich beatmet und sind
deshalb nicht bei vollem Bewusstsein. Sie können sich nicht mehr verbal
mitteilen, weshalb es für die Angehörigen meist unmöglich ist, noch letzte
Worte mit dem Sterbenden zu tauschen und sich im Gespräch zu verabschieden.
„Für Familie oder Freunde sind das immer
Extremsituationen“, weiß Sandra Schneider. Besonders schlimm sei es für die
Angehörigen von Patienten, die „quasi von der Straße kommen“, wie die Beiden es
ausdrücken; etwa nach einer Reanimation infolge eines plötzlichen
Herzstillstands außerhalb eines Krankenhauses. „Wir werden hier jeden Tag mit
Schicksalen konfrontiert, die uns vor Augen führen, dass das Leben von einer
Sekunde auf die nächste eine dramatische Wendung nehmen kann und nichts mehr so
ist wie zuvor“, berichtet Sandra Schneider.
Schon seit jeher kommt der Begleitung von
Angehörigen sterbender Patienten im Brüderkrankenhaus Trier eine besondere
Bedeutung zu. „Als christliches Haus sind wir überzeugt, dass jeder Mensch ein
Ebenbild Gottes ist und eine besondere Würde hat bis zu seinem Tod“, sagt Pater
Stephan Schmuck. Er ist Mitglied im Team der Krankenhausseelsorge und da, wenn
Angehörige seine Begleitung wünschen – unabhängig davon, ob der Patient oder
die Angehörigen selbst gläubig sind. Einfach nur da sein, kann schon vielen helfen.
Katrin Quint betont, dass immer jemand bei dem Sterbenden sei, auch wenn es
keine Angehörigen mehr gebe oder diese nicht oder noch nicht im Krankenhaus
sein könnten. „Bei uns stirbt niemand alleine, das zu garantieren ist uns
außerordentlich wichtig.“ Sie selbst hat schon häufiger Patienten in den
letzten Stunden ihres Lebens beigestanden.
Und doch fehlte aus Sicht von Katrin Quint,
Sandra Schneider und den weiteren Mitgliedern des Teams der Intensivstation
noch an etwas: „Wir erleben immer wieder mit, dass Angehörige hilflos und
verloren am Krankenbett stehen und nicht wissen, wie sie mit der für sie extrem
herausfordernden Situation umgehen sollen, und uns kam dann der Gedanke, dass
man ihnen eine Möglichkeit bieten muss, aktiv diesen Prozess zu erleben und zu
gestalten“, erläutert Sandra Schneider. Gemeinsam recherchierte das Team, selbst
in Kanada informierte man sich zum Thema.
Schließlich besorgten Katrin Quint und Sandra
Schneider Erinnerungssteine, welche die Angehörigen dem sterbenden Menschen in
die Hände legen können und dann für immer mit diesem in Verbindung bringen oder
an ihn erinnern. Auch die Möglichkeit, unter Einsatz von Farben Finger- oder
Handabdrücke mit dem Sterbenden zu machen oder sich ins Erinnerungsbuch
einzutragen, können und sollen helfen. „Wir möchten den Angehörigen helfen,
kleine Erinnerungen zu gestalten, die ihnen Kraft geben“, bringt es Katrin Quint
auf den Punkt.
Auch ihnen selbst gebe es Kraft, Angehörige in
den schwierigen Momenten des Abschiednehmens helfen zu können, sagen die
Beiden, die von weiteren ähnlichen Angeboten für Angehörige im
Brüderkrankenhaus berichten und betonen: „Voraussetzung ist ein gutes Team, das
sich gegenseitig unterstützt.“ Pater Schmuck ergänzt: „Das, wie auch
beispielsweise unsere Bemühungen, dass die Patienten im Sterben möglichst keine
Schmerzen mehr erleiden müssen, ist für uns auch gelebte Barmherzigkeit.“


