23.03.2026
Wiedersehen im Brüderkrankenhaus
Auf den Tag 50 Jahre nach ihrem Pflegeexamen trafen sich zwölf der damaligen Absolventinnen und Absolventen im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Es wurde ein Wiedersehen mit Freude, doch geriet der von Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur, geführte Rundgang über Gelände und durch Gebäude auch zu einer spannenden Reise zurück in eine Zeit, in der im Brüderkrankenhaus nur wenige Dutzend Ärzte arbeiteten, angehende Krankenpfleger und -schwestern in Mehrbettzimmern nächtigten und Schüler bei Frauenbesuch ihre Bleibe im Wohnheim riskierten.
„Das war für uns damals verboten“, scherzt
Cordula Papp und erntet kollektives Gelächter aus der Runde. Sichtlich amüsiert
steht die Gruppe vor dem Gebäude St. Rochus, in dem einst das Wohnheim für
Pflegeschüler des Brüderkrankenhauses untergebracht war. Für angehende
Krankenschwestern war der Trakt verbotenes Terrain, schließlich durften sie die
Zimmer offiziell nicht betreten. Taten sie es doch, konnten die Folgen
schwerwiegend sein, wie einer der damaligen Schüler zu berichten weiß: Seine
heutige Frau hatte ihn besucht, was nicht unentdeckt blieb – woraufhin er sich
kurzerhand ein neues Zimmer jenseits des Krankenhausareals suchen musste. „Und
bald feiern wir Goldene Hochzeit“, erzählt er ein halbes Jahrhundert danach
lachend.
Im Frühjahr 1973 starteten 33 junge Menschen
ihre Ausbildung in der Krankenpflegeschule – zwei Drittel Männer, ein Drittel
„Fräulein“, wie man seinerzeit noch sagte. Erst fünf Jahre zuvor hatten in der
Pflege des Brüderkrankenhauses Frauen Einzug gehalten, zuvor war dieser Bereich
ausschließlich Männern vorbehalten; damals waren auch noch zahlreiche
Barmherzige Brüder in der Pflege tätig.
Anfang der 1970er gab es im Brüderkrankenhaus rund 35 Ärzte und 150
Pflegekräfte, erinnert Karl-Heinz Stolz, der damals schon in der
Krankenpflegeschule arbeitete und das besondere Klassentreffen nun begleitete.
Heute arbeiten allein im Pflegesektor rund 1.100 Menschen, die Zahl der
Ärztinnen und Ärzte im Brüderkrankenhaus hat sich auf über 300 verzehnfacht.
Überhaupt scheint gegenwärtig nur noch wenig
vergleichbar mit jener Zeit, als Michael Altmeyer-Lange und Veronika
Heid-Berberich, das damalige Klassensprecher-Duo, ihre Ausbildung absolvierten.
Einige der Mitschüler von damals sind schon verstorben, spontan gedenkt man
ihnen in der Kloster- und Krankenhauskirche – ein bewegender Moment. Kurz
darauf stellt sich die Gruppe zum Gemeinschaftsfoto vor der Maria-Hilf-Kapelle
auf, wie beim offiziellen Examensbild vom 16. März 1973 soll es wirken. Doch
weil die Kapelle und vor allem deren Fassade baulich verändert wurden, stutzen
einige der Ehemaligen ob des Anblicks.
So auch Dr. Eberhard Eisenbarth, der aus der
Pfalz angereist ist. Gleich nach seinem Pflegeexamen machte er Abitur,
studierte Fortwirtschaft und promovierte. In der Uniklinik Freiburg schob er
noch die ein oder andere Nachtschicht, um sich zum Studium etwas
hinzuzuverdienen, dann verabschiedete er sich aus dem Pflegeberuf. Anders als
Mitschülerin Helene Mirtennutz-Metrich, die bis zu ihrem Ruhestand auf der
Wahlleistungsstation des Brüderkrankenhauses arbeitete.
Michael Altmeyer-Lange schwärmt von den
Kursfahrten, welche die Brüder für die angehenden Pflegekräfte organisierten.
Bis nach Bremerhaven oder ins schweizerische Einsiedeln führten die Ausflüge.
Im Fernsehzimmer des Schülerwohnheims schaute man gemeinsam Boxkämpfe und
Fußballweltmeisterschaften, und überhaupt: Jenseits des Unterrichts wurde viel
gefeiert und nicht wenig getrunken. Ein Name fällt immer wieder in den
Gesprächen: der von Bruder Albert Wollscheid, der fast zwei Jahrzehnte als
Lehrer und Leiter die Pflegeschule prägte und später in führender Funktion die
Weiteentwicklung des Brüderkrankenhauses maßgeblich mitbestimmte. Ein durchaus
strenger Ordensmann sei dieser gewesen, erzählen seine ehemaligen Schüler, doch
habe Bruder Albert, der 2015 starb, auch „Herz und Humor“ gehabt.
Als Michael Altmeyer-Lang seinen früheren
Lehrer nach Jahrzehnten wiedertraf, wusste dieser noch spontan, wo er in der
Klasse gesessen hatte: „vorne ganz links“, habe Bruder Albert gesagt. Wie er
sich das hatte merken können? Bruder Alberts Sitzordnung folgte nach dem
Alphabet.


