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11.12.2017

Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) zur Behandlung von bösartigen Tumoren in der Leber

Eine neue Therapiemöglichkeit in der Region Trier: Das Brüderkrankenhaus Trier bietet seit kurzem eine neue Therapie an, bei der Millionen von radioaktiven Kügelchen verabreicht werden, um das Wachstum bösartiger Tumore in der Leber aufzuhalten.

Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) zur Behandlung von bösartigen Tumoren in der Leber

Die Leber ist die größte Drüse im menschlichen Körper und gleichzeitig das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels. Ihre wichtigsten Funktionen sind die Produktion lebenswichtiger Eiweißstoffe, die Verwertung von Nahrungsbestandteilen, die Galleproduktion sowie der Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 9.500 Menschen (6.600 Männer, 2.900 Frauen) neu an Absiedlungen von bösartigen Tumoren in der Leber, sogenannten Lebermetastasen (Prognose RKI). Häufig handelt es sich dabei um Lebermetastasen von Dickdarm- und Enddarmkrebs. Lebermetastasen bestimmen entscheidend den Krankheitsverlauf bzw. die Prognose im Rahmen der Tumorerkrankung. Häufig können sie gut chirurgisch oder kombiniert chirurgisch und systemisch mit Chemotherapie behandelt werden. Darüber hinaus gibt es in der Leber selbst entstehende bösartige Tumore, sogenannte Leberzellkarzinome.

 

Das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier unter Leitung von Chefarzt Professor Dr. med. Winfried A. Willinek bietet für Patienten mit nicht mehr operablen Tumoren oder Metastasen in der Leber jetzt erstmals in der Region Trier eine moderne Therapie an, die selektive interne Radiotherapie (SIRT). „Diese neue Behandlungsmöglichkeit kann  bei insgesamt guter Verträglichkeit die Erkrankung aufhalten und zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen“, erklärt Professor Willinek, der Ende 2014 vom Universitätsklinikum Bonn als Chefarzt ans Brüderkrankenhaus Trier kam. Zu seinen Schwerpunkten gehören u.a. die onkologische Bildgebung der Leber sowie bildgestützte Interventionen.

Prof. Dr. med. Winfried A. Willinek, Chefarzt des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin
Prof. Dr. med. Winfried A. Willinek, Chefarzt des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin
 

Das Verfahren

Die SIRT, die auch Radioembolisation genannt wird,  ist eine Therapie zur Behandlung von bösartigen Tumoren in der Leber. Hierbei wird das erkrankte Gewebe gezielt bestrahlt und gesunde Zellen weitgehend geschont. Die Behandlung erfolgt über einen Katheter, der über die Leiste in die Leberarterie eingeführt wird, die die Hauptblutzufuhr von Tumoren in der Leber ist.
In der Angiographie-Einrichtung bringt ein Ärzteteam aus interventionellen Radiologen und Nuklearmedizinern Millionen winziger radioaktiver Mikrokügelchen in die Leberarterie über den Katheter ein.

Die Kügelchen enthalten Yttrium-90, ein radioaktives Isotop, das sogenannte Betastrahlung abgibt. „Diese Strahlung reicht im menschlichen Gewebe über eine Entfernung von durchschnittlich zwei bis maximal 11 Millimeter. Die Mikrokügelchen wandern, dem Blutstrom folgend, direkt zum tumorösen Gewebe, wo die Bestrahlung der bösartigen Zellen gezielt erfolgt“, erläutert Nuklearmediziner Dr. med. Kim Biermann das Verfahren.

Dr. med. Kim Biermann, Ärztlicher Leiter der Sektion Nuklearmedizin des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin
Dr. med. Kim Biermann, Ärztlicher Leiter der Sektion Nuklearmedizin des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin
 

Die Vorteile

Bei der SIRT kann eine hohe und effektive Strahlendosis direkt gegen die Krebszellen gerichtet werden und der restliche Körper geschont werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass mit Hilfe der SIRT Tumore in der Leber stark verkleinert werden können. Einige schrumpfen soweit, dass es Ärzten manchmal später möglich ist, diese operativ zu entfernen.
Die Selektive Interne Radiotherapie ist insgesamt gut verträglich, vor allem im Vergleich zur Chemotherapie (z.B. kein Haarausfall). Es können nach dem Eingriff beim Patienten zwar Bauchschmerzen, leichtes Fieber und Übelkeit auftreten, diese Beschwerden sind in der Regel jedoch nur kurzzeitig und gut medikamentös therapierbar.
Das Verfahren ermöglicht eine Verbesserung der Lebensqualität für Patienten, deren Lebertumore nicht operabel sind.

Die Voraussetzungen

Die SIRT ist anwendbar bei Patienten mit

  • Nicht mehr operierbaren primären Lebertumoren, wie Leberzellkrebs oder Gallengangkrebs
  • Nicht mehr operierbaren Tochtergeschwülsten in der Leber aus anderen Teilen des Körpers, z.B. aus dem Darm oder von neuroendokrinen Tumoren

Eine Voraussetzung ist, dass die Leber des Patienten noch ausreichend funktioniert. Erforderlich ist dann eine gemeinsame interdisziplinäre Entscheidung in der Tumorkonferenz des onkologischen Zentrums, dass die SIRT im individuellen Fall das beste Verfahren darstellt.

Die ersten Erfahrungen

Anfang April wurde im Brüderkrankenhaus Trier der erste Patient mit diesem innovativen Verfahren behandelt. Bei dem Patienten war im April 2016 ein Dickdarmkrebs mit Lebermetastasen diagnostiziert worden, das nach mehrfachen Chemotherapien progredient war, d.h. fortschritt. Der Patient hatte die SIRT sehr gut vertragen. Vier Wochen nach der Therapie waren die Metastasen in der Größe zurückgegangen.

 
 
 
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